Donnerstag, 31. März 2011

Neustart

Halbzeit der Fastenzeit - mehr oder weniger. Die Zwischenbilanz ist eher ernüchternd. Sakramentaler Neustart war daher die sinnvolle Reaktion, um mich nicht völlig hängen zu lassen. Fazit am Tag 1: Es hilft wirklich. Jetzt kann die Fastenzeit (als Zeit der Hinwendung zu Gott) beginnen.

Freitag, 25. März 2011

Ein "armer Typ"

Heute vor 20 Jahren ging Pierre Goursat, Gründer der Gemeinschaft Emmanuel (der ich angehöre), heim zum Vater. Als ich diese Gemeinschaft kennen lernte, war kaum etwas über den Gründer zu hören. Das entspricht wohl seiner Art, denn er war kein Mann der Bühne oder der "vordersten Front". Inzwischen wurde das Seligsprechungsverfahren eröffnet und im Zuge dessen lese, höre und sehe ich mehr von ihm.
Eine seiner Lieblings-Redewendungen war die vom "armen Typen", als den er sich selber genauso bezeichnete wie alle anderen Menschen. Er hat in aller Realität die menschliche Schwachheit gesehen und in großem Staunen erfahren, dass Gott sich genau dieser armen Typen bedient, um daraus etwas Großes zu machen. Ich danke Gott für die Hingabe dieses seines Dieners, der die Demut hatte, sich in aller Einfachheit Gott zur Verfügung zu stellen.

Dass es brenne, das war seine größte Sehnsucht. Brennen aus Liebe zum Herrn - in der Anbetung, im Mitleiden, in der Evangelisation.

Hier kann man übrigens einen (französischen) Film (53 Minuten) über ihn und die Gründungsphase sehen: Dokumentation Pierre Goursat

Ja-Sagerin

Es war das wohl wichtigste "Ja" der Geschichte der Menschheit. Es veränderte die Welt und wurde zum Einfallstor der erlösenden Gnade Gottes. Danke Maria!

Als ich vor eineinhalb Jahren das Jahr begann, das meiner Ausbildung als Schwester meiner Gemeinschaft dienen sollte (vergleichbar dem Noviziat), stellte unsere Hausleitung uns Maria, Unsere Liebe Frau vom "Ja" vor Augen. In allen Wendungen und Herausforderungen dieses Jahres sollten wir uns bemühen, "Ja" zum Willen des Vaters zu sagen, zu glauben, dass Er es ist, der uns bittet.
Es gibt Tage, da ist das "Ja"-Sagen leicht. Doch zahlreich sind die Tage, in denen mir mindestens ein "Ja, aber" auf den Lippen liegt - und oft auch ein "Nein". Vor einigen Jahren hatte ich eine Woche lang die Gnade des unvoreingenommenen "Ja"-Sagens. Es war ziemlich deutlich die Frucht einer Beichte. Es fiel mir in dieser Woche ganz leicht, all den Bitten, die an mich heran getragen wurden, zu entsprechen, in meinen Mitmenschen Jesus zu sehen, der mich bittet. Ich fühlte mich in dieser Woche so unglaublich frei - frei von mir selbst und meinen Grenzen.

Unsere Liebe Frau vom "Ja", bitte für mich.

Reden??? Über den Glauben???

Warum man über den Glauben reden soll, das war das Thema des heutigen Alpha-Abends.

Ja, warum eigentlich? Wir glauben doch eh' alle an Gott. Und überhaupt: Zu wem soll ich denn darüber reden? Und über was genau?

Ob die Menschen, die das Thema mit einer solchen Bemerkung abtun, ahnen, wie unglaublich schön und bereichernd es ist, über den Glauben zu reden? Wie tief Beziehungen plötzlich werden können, wenn man Gott ins Gespräch bringt?
Ich bin gekommen, um Feuer auf die Erde zu werfen. Wie froh wäre ich, es würde schon brennen. (Lk 12,49)
Wenn das Feuer in unseren Herzen brennt (und wenn es nur ein ganz kleines bisschen ist), dann wird es auch die Menschen um uns herum ergreifen. Ich wünsche mir und allen Lesern immer wieder dieses Feuer und den Mut, über den Glauben ins Gespräch zu kommen.

Donnerstag, 17. März 2011

Stille

Stille. Die Abwesenheit jeglicher Geräusche. In unserer Welt nahezu unmöglich. Ich war gerade ein paar Tage auf Exerzitienbegleitung in den Bergen. Selbst da umgibt mich eine Vielzahl von akustischen Eindrücken: Vogelgezwitscher, ferner Straßenlärm, Wind in den Bäumen, Flugzeuge, Wasserrauschen ...

Als ich kürzlich in der Wüste war, gab es einen Moment, an dem die Fülle der Geräusche in meinem Alltag durch ihre totale Abwesenheit auffiel. Wir machte für eine halbe Stunde Rast - im Schweigen. Jeder suchte sich einen Flecken, wo er nicht zu nah am Nächsten war. Und plötzlich war sie greifbar, diese Stille: kein Wind, kein Vogel, keine Laufgeräusche. Gar nichts. Absolute Stille. Auch der Himmel war "still": kein Wölkchen, kein Flugzeugstreifen. Und langsam wurde auch mein Inneres immer stiller. Dieser Moment war so besonders, dass er von fast allen Exerzitienteilnehmern nachher erwähnt wurde. In einer solchen Stille kann man Gott auch hören, wenn er nur flüstert.
Fasten durch Minimierung der Geräusche um mich herum, durch das Aushalten der Stille. Für mich eigentlich kein Fasten, sondern Labsal für Seele und Leib. Und dennoch: Wie oft suche ich die Stille - außerhalb der eigentlichen Gebetszeit?

Samstag, 12. März 2011

Die Früchte eines langen Priesterlebens

Heute feierten wir einen hohen runden Geburtstag meines Chefs. Ca. 120 Gäste waren gekommen - und das war schon der "kleine" Kreis. Mehr als 50 Jahre priesterliches Wirken hinterließen ihre Spuren. Viele "Schäfchen" aus seinen ehemaligen Pfarreien hatten sich auf den Weg gemacht, um mit ihrem "Herrn Pfarrer" zu feiern. Darunter auch etliche Kinder und Jugendliche, junge Familien, ehemalige Pfarrgemeinderäte, Weggefährten, ehemalige Kapläne ...
Neben der Dankbarkeit für so viele Jahre engagierten seelsorglichen Dienst war es auch Mut machend. Denn es wurde deutlich, dass die Verbundenheit bis heute - mitunter Jahrzehnte nach seinem Wirken in einer Pfarrei - Frucht seiner Hingabe, seines Seeleneifers, seiner Verbundenheit mit Gott und seines inneren Feuers ist.
Zwei junge Priester hier aus der Gegend sagten schon vor einiger Zeit unabhängig voneinander: "Ich bete dafür, dass ich in seinem Alter auch noch so viel geistige Frische habe wie er." Ich wünsche es ihnen und vielen ihrer Mitbrüder von Herzen.

Mittwoch, 9. März 2011

Fastensuppe

Heute hab ich meinem Dienstherrn mal etwas Neues vorgesetzt. Nun, das ist nicht so schwer, denn ich bin noch ziemlich neu "im Geschäft" am Kochherd und Suppen waren noch nie meine Spezialität. Die Fastensuppe war nicht perfekt, aber durchaus essbar. Rezepte werde ich hier nicht veröffentlichen. Jeder, der eine Tomatensuppe kochen kann, weiß Bescheid.

Und die Zutaten für meine persönliche Fastensuppe?
  • weniger Internet
  • weniger Kritik
  • weniger Süßes
  • mehr Wort Gottes in der nun wirklich täglichen Lectio Divina
  • mehr "Ja"s zu den täglichen kleinen zusätzlichen - nicht selten unwillkommenen - Anfragen
  • mehr Freude im täglichen Tun
  • ausreichend Schlaf

Dienstag, 1. März 2011

Nach der Wüste

Was sind die Dinge, die ich so direkt nach der Wüste getan habe?
Schlafen, Essen (v.a. Salziges) ... und Aufräumen. Irgendetwas hat mich heute angetrieben, für Ordnung zu sorgen - in meinen eigenen vier Wänden und auf Arbeit. Und zwar an Orten, an denen mich bisher die Unordnung nicht so sehr gestört hat, weil sie schlicht nicht ins Gewicht fiel.
Nun ja, wohl auch wieder nicht verwunderlich, dass man nach Exerzitien, die ja in der Regel auch helfen, innerlich mal wieder aufzuräumen und Prioritäten neu zu setzen, auch äußerlich für "klar Schiff" zu sorgen.

Irrtum

Das virtuelle Gepäck, das ich mit in die Wüste nehmen wollte, ließ ich schon am ersten Lager stehen. Denn hier verstand ich , dass ich nicht in der Wüste war, um meine Fragen oder die Aufregungen der deutschen Kirche durch die Gegend zu schleppen, sondern um loszulassen und alles in die Hände Gottes zu legen. Dennoch keine leichte Aufgabe. Sie wurde mir erleichtert, weil ich nicht ignorieren konnte, das ich als begleitende Schwester bei diesen Exerzitien eine Aufgabe hatte: das konkrete Gebet für die Teilnehmer, die  mir nach und nach ihre virtuellen Rucksäcke brachten, auf dass ich sie Gott übergebe.
Und ich begriff: Nicht im Wälzen von Problemen würde ich Gott begegenen, sondern im Dienst für die Anderen. Durch meinen Dienst hat Gott mir geholfen, das Wesen meiner Berufung neu zu erfassen und mich darin erneuern zu lassen. Deo gratias.