Samstag, 30. April 2011

Generation JP II

Kein Zweifel, ein Blick auf mein Geburtsdatum beweist: Auch ich gehöre zur Generation Johannes Paul II.

Und ich bin dankbar dafür.
Nicht nur, dass dieser Papst die bedrückendste Mauer meines Landes zum Einstürzen brachte, auch in meinem Leben konnten einige Mauern fallen, weil ich seinen Einladungen zu verschiedenen WJTs gefolgt bin. Beim ersten Mal (Paris 1997) dachte ich mir noch: "Naja, was kann mir so ein alter Mann schon sagen?" Doch seine Authentizität, sein unermüdliches Werben für die Sache Jesu, seine Ermutigung, diese Gesellschaft aus christlicher Verantwortung mitzugestalten, seine immer wieder kehrende Einladung, dem Ruf Gottes großzügig zu folgen trugen bei mir spätestens in Toronto 2002 Frucht, als ich mich entschied, die Frage der Berufung nun wirklich zu prüfen. Es war der Beginn eines Weges, der mich immer mehr mit Freude, Dankbarkeit und Staunen erfasst.

Erst nach seinem Tod entdecke ich nun mehr und mehr die Schätze, die Johannes Paul II. mit seinen Enzykliken, v.a. aber mit seiner "Theologie des Leibes" hinterlassen hat. Und ich hab das Gefühl, dass diese Entdeckungsreise noch lange nicht zu Ende ist.

Sonntag, 24. April 2011

Baum des Lebens

Zu guter Letzt möchte ich einfach nur dieses Foto veröffentlichen. Dieser "Baum des Lebens" steht irgendwo in Frankreich. Er symbolisiert für mich in einzigartiger Weise das Geheimnis des Kreuzes und die Realität der Auferstehung.

 
So wünsche ich allen Leserinnen und Lesern die Freude der Auferstehung.

Christus ist auferstanden!

Donnerstag, 21. April 2011

Kreuzgeschichten IV

Als Fortsetzung zu gestern poste ich hier einen Liedtext, den ich für das Musical "Come be my light" über Mutter Teresa geschrieben habe. Im Stück sagt Mutter Teresa das einer jungen Frau, die aus gesundheitlichen Gründen nicht bei den Schwestern eintreten kann. Mutter Teresa bittet sie, ihr "alter ego" zu sein und die Arbeit der Schwestern durch die Annahme ihres Kreuzes mitzutragen.

Refrain
Hab keine Angst vor dem Kreuz,
es ist die Wirklichkeit der Liebe.
Gott selbst umarmt dich im Leid.
Nimm dein Kreuz an, umarme es.
So hast du Teil an der Erlösung.
Trage Gottes Liebe in die Welt.

  1. Wie sehr der gute Gott dich liebt,
    dass er dich an sein Kreuze zieht.
    Gekreuzigt vor Schmerzen ist deine Seele,
    weil er dich dazu auserwählte.
    Sein Leben will er in dir leben.
    Kannst du dazu dein "Ja" ihm geben?
  2. Zum Leid am Kreuz lädt er dich ein,
    denn dort kannst du ihm ähnlich sein.
    Zu Christi Werk wird unsre Arbeit,
    denn sie scheut nicht des Leidens Wahrheit.
    Lebe mit Jesus, lebe für ihn.
    Lebe mit Jesus, er lebt durch dich.
Bridge
Verein dich mit der Armen Not,
durch Christus bringe sie vor Gott.
Sein großer Durst so ungestillt -
brennend wird er von uns mitgefühlt.
Gemeinsam wir das Leid woll'n tragen,
mit Christus "Ja" zum Kreuze sagen.
Ein Lächeln schenk ihm jederzeit
und halte dich zum Dienst bereit.
Verein dich mit der Armen Not,

Mittwoch, 20. April 2011

Kreuzgeschichten III

"Trage nun das Kreuz als Zeichen deiner Zugehörigkeit zu Christus". Am 16. September 2007 erhielt ich mit diesen Worten dieses Kreuz:

Damit wurde - nach mehreren Jahren der Unterscheidung - sichtbar, das ich innerhalb meiner Gemeinschaft den Weg des gottgeweihten Lebens gehe. Es war für mich ein  Tag einer sehr tiefen Freude. Endlich auch nach außen zeigen dürfen, wohin meine Sehnsucht mich führt: zur Hingabe im gottgeweihten Leben, im Zölibat. 
Es ist im Vergleich zu meinen vorherigen Kreuzen sehr schlicht. Und es ist - getragen zu normaler Alltagskleidung - auch wirklich nicht besonders auffällig. Noch einige Jahre zuvor war es üblich, zusammen mit dem Kreuz bereits auch die Gemeinschaftskleidung zu erhalten (blauer Rock und weißes Oberteil). Als ich hörte, dass man dies geändert habe und es erst einmal "nur" das Kreuz gebe, war ich zugegebenermaßen enttäuscht. Ich wollte meinen Lebensstand viel deutlicher sichtbar machen. Und doch war es genau richtig so. Dass ich zunächst einmal "nur" das Kreuz erhalten habe, hat mich darauf verwiesen, dass es darauf ankommt, das Kreuz anzunehmen. Wäre es wie früher gehandhabt worden, zweifellos wäre mir das Kreuz mehr wie ein weiteres Accessoire neben der deutlich sichtbaren Veränderung der Kleidung vorgekommen. So aber konnte ich mich wirklich darauf freuen, das Kreuz zu empfangen - und es hat mich vieles gelehrt, den Wert des Kreuzes nicht zu unterschätzen. Jedesmal, wenn ich es an- oder ablege, ehre ich es durch einen Kuss. 

Das Kreuz empfangen, es umarmen, in ihm den Quell meiner Freude finden - eine lebenslange Aufgabe. 
Und längst weiß ich, dass nicht ich es trage, sondern es mich.

Dienstag, 19. April 2011

Kreuzgeschichten II

Heute hab ich mal ein paar Kreuze hervor gekramt, die ich eine Zeitlang als Halsschmuck trug. 

Das kleine silberne Kreuz wurde mir zur Erstkommunion geschenkt. Das war zu einer Zeit, in der in meiner Heimat die rote Ideologie jedes offene Bekenntnis zum Glauben erschwerte. Das Kreuz war unerwünscht. Ich habe es nur selten getragen. Jedoch weniger aus Angst vor Repressalien (an die war ich schon gewöhnt), sondern weil es schlicht und ergreifend unpraktisch ist, wenn man auf der Straße rumtobt, auf Bäume klettert etc. Aber ganz so selten kann ich es auch nicht getragen haben, denn die Kette zeigt deutliche Verfärbungen auf.

Mit der beginnenden Pubertät wollte ich dann wirklich mehr Farbe bekennen. Damals sägte ich mir ein Kreuz mit der Laubsäge zurecht. Das hab ich nicht mehr. Es war auf jeden Fall auffällig, denn ich hatte kein gutes Material zur Verfügung. 

Das tauschte ich dann kurz nach der Wende gegen das hier abgebildetete größte Kreuz ein. Das war schon nach der Wende, denn es wäre undenkbar gewesen, dergleichen bei uns zu kaufen. Meine Klassenkameraden wussten um meine Einstellung, so dass sie das wohl kaum geschockt haben dürfte. Ich gebe zu, dass ich durchaus provozieren wollte damit - und auch die Freiheit ausnutzen wollte, dass wir uns jetzt nicht mehr verstecken wollen. Ich trug es recht lange. Während meines Studiums wurde ich in einer Pause von einer anderen Studentin darauf angesprochen. Wie sich heraus stellte, gehörte sie einer Sekte an und versuchte, mich für ihre Sache zu gewinnen. 

Der Weltjugendtag 2002 in Toronto war für mich Weg weisend, insbesondere im Hinblick auf meine Berufung. Als Hommage an diese Zeit trug ich über einen längeren Zeitraum das Kreuz, das wir dort in unseren Pilgerrucksäcken vorgefunden hatten (hier im Bild über dem großen Kreuz). Ein Mitarbeiter des Dachverbandes, für den ich damals arbeitete, sprach mich auf einer Tagung darauf an und fragte, ob ich Schwester sei. Er war der erste, der mir diese Frage gestellt hat. Damals habe ich noch verneint und bin auch nicht näher darauf eingegangen, dass dieses Kreuz für mich tatsächlich auf dem Weg zum geweihten Leben eine Bedeutung hat.

Zwischendurch trug ich dann auch das berühmte Taizé-Kreuz - oft auch zusammen mit einem der Holzkreuze. Auch hier war es liebevolle Verbindung mit einem Ort, der mir auf meinem Glaubensweg viel bedeutet.

Zu meiner Firmung schon - damals war ich 15 Jahre alt - hatten mir meine Eltern auf meinen Wunsch dieses Goldkreuz geschenkt. Als ich mich direkt in der Nachwendezeit auf meine Firmung vorbereitete und meine Klassenkameraden der Jugendweihe entgegen fieberten, kam eines Tages das Thema "Geschenke" ins Gespräch. Bei meinen Klassenkameraden ging es um ziemlich hocharätige Geschenke (nix unter 1.000 DM). Als ich äußerte, dass ich mir ein Goldkreuz wünsche und wahrscheinlich noch ein frommes Buch dazu erhalten würde, war die Verblüffung groß. "Das würde ich meinen Eltern zurück geben", so die ehrliche Antwort einer Mitschülerin. Dieses habe ich dann nach meiner "wilden Bekenntnisphase" getragen - oft auch gleichzeitig. Jedenfalls in meinen letzten Berufsjahren war es dann die unkomplizierteste Art, gutes Auftreten mit einem wenigstens dezenten Bekenntnis zu verbinden. Und dieses Kreuz ist mir wirklich ans Herz gewachsen. Zum letzten Mal trug ich es am Morgen des 16. September 2007. (Fortsetzung folgt) Mehr als bei den anderen Kreuzen stellt sich mir hier die Frage, ob ich es eines Tages an jemanden weiterschenken kann - ein Patenkind z.B. 

Die Kreuze an meinem Hals waren ...
  • unerwünscht
  • provokativ
  • Bekenntniszeichen
  • Erinnerung
Ich weiß nicht, ob meine Motive immer lauter waren. Aber immer war mir klar, dass das Kreuz niemals leichtfertig zu tragen ist. Manche Reaktionen, die es auslöste, verdeutlichten mir dies. Es ruft in die Nachfolge. Es fordert heraus - nicht nur die Anderen.

Montag, 18. April 2011

Kreuzgeschichten I

Aus aktuellem Anlass möchte ich in dieser Woche einige Geschichten bzw. Gedanken wiedergeben, bei denen das Kreuz eine Rolle spielt. 

Zum Auftakt die Geschichte zum Hintergrundbild meines Blogs. Im Ganzen sieht es so aus:
Es entstand im Sommer 2008. Wir waren zu viert auf Hüttentour. Für mich war es die erste Hüttentour meines Lebens und ich kam mehrfach an meine physischen Grenzen. Am vorletzten Tag hatten wir aus verschiedenen Gründen entschieden, auf dem kürzesten Weg zur nächsten Hütte zu gehen, wo wir nach 700 Höhenmetern bereits am frühen Vormittag eintrafen. Obwohl ich am Morgen noch geglaubt hatte, heute ginge nicht viel, hatte ich plötzlich noch Energie für weitere Unternehmungen. Und da winkte weitere 700 Höhenmeter oberhalb ein Berg, der über der magischen 3000-Meter-Marke lag. So hoch war ich noch nie. Und wir machten uns zu dritt daran, mir diesen Erfolg zu verschaffen. Die letzten Meter waren eine ziemlich waghalsige Kraxelei. Dazu wehte ein heftiger Wind. Der Gipfelgrat war nur sehr schmal, meine Beine nicht sehr sicher. So griff ich den ersten Halt, der sich mir in aufrechter Position bot - das Gipfelkreuz. Und in diesem kurzen Moment entstand das Foto. 

Es ist für mich mehr als eine nette Geschichte. Das Kreuz gibt Halt. Es steht an exponierter Stelle - dem Wind und Wetter ausgesetzt. Es gibt Orientierung: Wenn ich es in den Bergen sehe, dann weiß ich, dort ist "ganz oben" - das Ziel. An seinem Fuß wird mir ein neuer Blick geschenkt. Nicht nur auf die atemberaubende Natur, sondern auch auf mich selbst, wenn ich sehe, dass es sich lohnt, über die eigenen Grenzen hinaus zu gehen und auch Mühen auf sich zu nehmen. Das Kreuz ist eine Realität im Leben, nicht immer geliebt. Aber wenn man es akzeptiert und zu ihm aufschaut, dann gibt es Halt.


Sonntag, 17. April 2011

Häuser-Kreuzweg

Vor einem Jahr lebte ich in Brüssel. Dort ist der Karfreitag kein Feiertag - und das wirkte sich auch auf die Liturgie aus. Am Abend des Karfreitag gab es einen beeindruckenden Kreuzweg. Im Anschluss daran die Karfreitagsliturgie.

Was war das Besondere an dem Kreuzweg? Mit der ganzen Gemeinde (mehrere hundert Leute) zogen wir durch die umliegenden Straßen. Es handelt sich um ein dicht besiedeltes Viertel mit lauter großen Mehrfamilienhäusern. Pfarrmitglieder hatten ein Fenster oder die Tür ihrer Wohnung/ihres Hauses zu einer kleinen Kreuzwegstation gemacht. Mit Kerzen und Kreuz, ein wenig Blumenschmuck leuchtete inmitten der Monotonie der Häuserblocks ein Zeichen für den auf, der für uns gestorben ist. Jeweils davor hielt die Menschenschar an. Der Pfarrer betete vor. Alle knieten kurz auf dem Straßenpflaster nieder. Dann ging es mit Gebet und Gesang weiter. - Mehr als eine Stunde hat das gedauert. Viele Anwohner schauten verstohlen aus ihren Fenstern, andere blieben auf der Straße stehen.

Diese vielen kleinen Stationen waren für mich unglaublich stark: Sie wirkten inmitten dieser großen Häuserblocks irgendwie verletzlich. Und ein wenig machten sich ja auch die "Gastgeber" verletzlich. Sie setzten ihr Fenster / ihre Tür und damit auch sich dem verwunderten Kopfschütteln oder auch dem Spott der Nachbarn und Passanten aus. Genauso wie der Herr sich bis heute dem Unverständnis von uns allen aussetzt.

Dienstag, 12. April 2011

Spannendes Johannesevangelium

Ich hab gerade Anlass, mich mal wieder intensiver mit dem Johannesevangelium zu beschäftigen. Zu diesem Zweck sind mir auch meine Mitschriften zu einer Vorlesung über Joh in die Hände gefallen - zwölf Jahre ist das jetzt schon her. 

Und beim Durchblättern danke ich im Stillen meinem Professor, der all die durchaus vorhandenen Ungereimtheiten und Spannungen, die manchen Exegeten dazu verleiten, sie mit Schlagworten wie "nicht original", "Interpretation des johanneischen Jüngerkreises" etc. wegzubügeln versuchen, stehen lassen konnte. "Das ist Joh zuzutrauen" steht ganz oft in meinen Mitschriften.

Ich bin einfach dankbar, dass mir hier ein Geist vermittelt wurde, der lieber bereit ist, das Sperrige anzunehmen anstatt es der kleinen Welt meines Horizonts anzupassen und damit gezwungenermaßen zu verengen.

Montag, 11. April 2011

Mutter Teresa im Musical

Dieser Trailer gibt einen kleinen Einblick in das Musical "Come be my light", mit dem aktuell die Emmanuel School of Mission Altötting auf Tournee ist. Das Stück geht unter die Haut.



Life sehen ist natürlich viel besser. Dazu möchte ich ganz klar ermutigen. Hier gibt es die bisher fest stehenden Tournee-Daten: Tournee

Freitag, 8. April 2011

Diaspora-Gebetskreis

Vor ca. sechs Jahren gründeten wir in meiner Diaspora-Heimat einen mehr oder weniger charisamtischen Gebetskreis. Die Anfänge waren bescheiden: wir waren zu viert. Und der Kreis blieb bescheiden. In Spitzenzeiten kamen wir auf ca. zwölf Leute. Aber als geübter Diaspora-Christ schaut man ja nicht so sehr auf die Zahlen, sondern auch auf den Geist. Gern mache ich darauf aufmerksam, dass Einzelne sich wirklich missionarisch auf den Weg (in die ganze Welt) gemacht haben oder dass in diesem Kreis Berufungen gewachsen sind. Aber das ist eigentlich nicht der Anlass dieses Beitrags.

Jedesmal, wenn ich auf Heimatbesuch bin, gehört es für mich auch dazu, zum Gebetskreis zu gehen. Und am gestrigen Abend wurde ich - so denke ich - Zeuge einer Sternstunde dieses kleinen Kreises. Eine Teilnehmerin stellte nach dem Gebetsteil die Enzyklika Redemptoris Missio vor bzw. wollte dies, denn sie kam gar nicht weit. Sofort waren wir im Gespräch: Was ist Inhalt der Mission? Brauchen wir das? Wozu ist es gut? Es war so ein lebendiger Austausch, so ein ernsthaftes Suchen. Und als dann einer der Teilnehmer vorschlug, als Ende dieses Prozesses der Beschäftigung mit dem Thema, eine eigene kleine missionarische Initiative hier vor Ort zu wagen, da jubelte mein Herz.

Und es fand weiteren Grund zum Jubeln. Denn als ich danach mit ihnen über meine Eindrücke sprach, da konnte ich spüren, dass sich für dieses kleine Pflänzchen etwas neues anbahnt: eine echte Erneuerung aus dem Heiligen Geist.

Und so will ich den Moment auch gern nutzen, auf Zeit und Ort dieser lebendigen Glaubenszelle aufmerksam zu machen: Immer Donnerstag, 19:30 Uhr (Begegnung ab 19:00 Uhr) in der Tiergartenstr. 74 in Dresden (bei den Petrus-Claver-Schwestern). Jeweils am letzten Donnerstag im Monat wird schon um 18:30 Uhr zu einer Heiligen Messe eingeladen. 
Kommt und seht!

Mittwoch, 6. April 2011

Die Bibel als Kapelle

"Die Bibel wird deine Kapelle sein" - so sagte mein Beichtvater, als ich im Hinblick auf meinen bevorstehenden Urlaub bei meinen Eltern etwas unsicher war, inwieweit es gelingen könne, ohne den Luxus der Hauskapelle Zeiten des Gebets zu nehmen.
Es ist wirklich nicht so einfach. Immerhin habe ich zuhause einen eigenen Tisch für die Lectio Divina. Und Ruhe, wenn ich sie denn brauche. Beides ist hier etwas umkämpfter. Heute bin ich dann mit der Bibel an den Fluss gegangen. Der Anblick von ruhig fließendem Wasser hat seit jeher etwas an sich, was mir das Gefühl "zuhause" schenkt. Und hier wurde die Bibel dann tatsächlich viel leichter zu meiner Kapelle. Nur wenige Verse genügten - und ich war im Gespräch mit Gott. Ja, dem Wort Gottes wohnt wirklich eine Kraft inne, die die Seele nach oben zieht.
Leider wird es (im katholischen Bereich) oft noch zu wenig geschätzt.

Sonntag, 3. April 2011

Geliebte Diaspora

"Sei froh, dass du im katholischen Bayern lebst", so schrieb mir kürzlich eine Freundin und spielte damit darauf an, dass es in der Diaspora mitunter eine Herausforderung ist, seinen Glauben zu leben.
Wirklich? Zugegeben, da, wo ich jetzt lebe, ist es leichter, täglich eine Messe zu finden, zu der ich gehen kann. Das gleiche gilt für die Beichte. Sogar anbeten kann ich da nun rund um die Uhr. Aber das "den Glauben leben" beschränkt sich ja nicht nur auf diese Dinge. Ich möchte den traditionellen Katholizismus nicht gegen die mitunter nüchterne Diaspora ins Spiel bringen. Ich möchte einfach nur ein paar Gedanken und Beobachtungen wiedergeben, die mir heute kamen, als ich mal wieder in meiner Heimatgemeinde im Gottesdienst war:

Der Innenreaum unserer Kirche hätte wohl locker im Chorraum meiner jetzigen Pfarrei Platz. Eine Mikrofonanlage brauchen wir daher nicht. Die Ministranten gehen 15 Minuten vorher in den Glockenturm und läuten das nicht sehr große Geläut von Hand. Die Gemeinde ist wirklich eine Familie. Die Menschen begrüßen sich. Frau X und Frau Y sind nicht mehr in der Lage, selbst zur Kommunion vorzugehen. Da kommt der Pfarrer halt zu ihnen an die Bank - und alle anderen in ihren Bankreihen haben inzwischen schon eine eigene Methode entwickelt, wie sie sich in die Kommunionschlange einreihen, ohne sich an den beiden Damen vorbeidrängeln zu müssen. Von vielen wurde ich nachher angesprochen. Ja, sie kennen mich seit der Taufe und wollen wissen, wie es mir jetzt geht. Der Pfarrer und der Bürgermeister begrüßten mich mit Handschlag. In meiner Pfarrei gibt es keinen einzigen Verband oder so. Aber die Gemeinde lebt - wenn auch bescheiden.

Sicher, da ist manches einfacher und sicher auch ärmlicher als im "katholischen" Bayern. Aber ich liebe es so. Es hat mich geprägt. Es hat mich gelehrt, nicht auf die Fülle (bzw. Leere) der Bankreihen zu starren, sondern meinen Weg zu gehen - unabhängig von der Meinung anderer. Es hat mich erfahren lassen, wie wohl tuend es ist, wenn eine Gemeinde wirklich eine Gemeinschaft bildet, wenn man aufeinander achtet und einander gut kennt. Und wie wertvoll es ist, sich einzubringen, neue Dinge anzuregen. Ja, hier steht und fällt das Leben eine Gemeinde mit dem Engagement einzelner. Ist es da, läuft es gut. Bringt sich niemand ein, fehlt halt so einiges.

Ich bin durchaus froh, jetzt in Bayern zu leben. Aber ich bin mindestens genauso froh, in der Diaspora Sachsens aufgewachsen zu sein.

Samstag, 2. April 2011

Wie viel Lüge braucht das Leben?

"Heute schon gelogen" - das war heute das Thema auf mdr Figaro, das ich bei der Autofahrt hörte, sobald ich im Sachsenland angekomemn war.
Die Sendung selbst wie auch der begleitende Blog sind durchaus interessant.
Offenbar ist es allgemeiner Konsens, dass die Lüge zum Leben gehört. Die Frage, was die Lüge ist, welche Konsequenz sie für den Einzelnen hat und wie man mit der Konsequenz umgeht, wurde (zumindest in den zwei Stunden meiner Fahrt) nicht wirklich gestellt (es wurde natürlich auch kein Vertreter der "moralischen Abteilungen" wie bspw. der Kirche interviewt.) Dagegen wird das Lügen mit Vokabeln wie "kreativ", "spannend" etc. salonfähig gemacht, so dass man sich ernsthaft fragt, ob man nicht einen wesentlichen Punkt verpasst oder irgendwie total langweilig ist, wenn man bei der Wahrheit bleibt.
Hm, es stimmt schon, dass man wohl immer wieder ahnt, dass mir nicht in allen Belangen meines Alltags die Wahrheit begegnet. Aber deswegen einfach mit dem Strom schwimmen?
Ob die zu Wort Gekommenen eigentlich ahnen, wie schön und befreiend und auch entspannend es ist, wenn man nicht lügt? Und wie wenig langweilig man erst wird, wenn das Gegenüber spürt, dass man zur Wahrheit steht, auch wenn es heikel ist?

Freitag, 1. April 2011

Evangelisations-Flashmob

Ich krieg's leider nicht hin, das hier direkt einzubinden. Aber es lohnt sich:

klick

Ob ich den Mut hätte, bei so etwas den Anfang zu machen?