Dienstag, 31. Mai 2011

Die schönste Dame Dresdens

Morgen beginnt ja im sächsischen Elbflorenz der Evangelische Kirchentag. Aber heute ist der 31. Mai - und damit der letzte Tag des Marienmonats Mai. Grund genug für mich, hier eines der schönsten Marienbilder zu posten. Seit über 250 Jahren befindet sich Raffaels "Sixtinische Madonna" in Dresden. Die größte Popularität genießen zweifellos die beiden Engelchen am unteren Bildrand. Ihr Charme wurde in den vergangenen Jahrzehnten durch inflationäre Vervielfältigung aus- und abgenutzt. Doch wie unschwer zu erkennen ist, blicken die Engelchen nach oben, zur Muttergottes und lenken den Blick des Betrachters zu ihr - so wie auch der Finger des Papstes Sixtus II. eine Verbindung schafft zwischen Maria und dem Betrachter. Wenn man da "live und in Farbe" davor steht, kann man sich dem kaum entziehen. Denn darauf kommt es an - auf die Mutter mit dem Kind - und auf ihren huldvollen Blick auf mich.
Ich bin ja nicht so die Ins-Museum-Geherin. Aber allein dieses Gemäldes wegen lohnt sich der Besuch in der Galerie der Alten Meister.

Dienstag, 24. Mai 2011

Aufschauen dürfen

Bei einem Podiumsgespräch in Nürnberg kam der Autor Peter Seewald gestern darauf zu sprechen, dass man oft höre, man wolle einander - und möglichst auch Gott - immerzu "auf Augenhöhe" begegnen.

Dem Wunsch des Autors entspricht das jedenfalls nicht so. Er sei dankbar, dass er zu Gott aufschauen dürfe, auch zu Menschen (wie beispielsweise dem Papst.)

Stimmt, wenn der Blick nur noch in der Horizontalen bleibt, dann verflachen die Dinge - in der Gesellschaft, in meinem eigenen Leben, in der Kirche. Dann ist es nicht mehr weit zum Weltbild mit der flachen Scheibe.

Ich jedenfalls bin dankbar für diese Anmerkung, die nicht nur die Feinheiten unserer Sprache aufdeckt.

Donnerstag, 19. Mai 2011

Evangelisierung fördern ...

... will von nun an das Bonifatiuswerk. Dafür hat es eigens seine Vergaberichtlinien geändert.
Hier gib es mehr Infos dazu: Pressemeldung des Bonifatiuswerkes
Darin heißt es unter anderem:
Außerdem wird das Diaspora-Hilfswerk erstmals direkt innovative missionarische Projekte in ganz Deutschland unterstützen. Diese sollen mit einem deutlichen evangelisierenden Charakter ausgestattet sein, sich vor allem an kirchenferne Menschen richten und den Glauben wieder ins Gespräch bringen.
Ich finde das richtig gut.

Dienstag, 17. Mai 2011

Sonntag, 15. Mai 2011

Einmalig

"Komm doch mit. Das ist eine einmalige Gelegenheit". So ermunterte mich neulich eine Studienkollegin für eine Abschiedsvorlesung. Doch ich steckte in einem Dilemma, denn an dem Tag hatte ich noch keine längere Gebetszeit gehabt. Und so lautete meine spontane Erwiderung: "Gebet ist auch einmalig".

Später saß ich in der Kirche und fragte mich, inwieweit das für mich Realität ist. Immerhin bete ich täglich eine längere Zeit, immer ist es die gleiche Gebetsform (Anbetung). Da ist eine gewisse Routine nicht abzustreiten - ganz abgesehen von der Tatsache, dass nur in den seltensten Fällen intensive Erfahrungen damit verbunden sind oder irgend etwas "spürbar" wäre. 

Und doch stimmt es: Auch wenn ich täglich bete, immer die gleiche Gebetsform wähle, oft die gleichen Bitten formuliere, immer wieder mit Trockenheit kämpfe, nicht selten am Ende das Gefühl habe, als habe sich nicht viel getan ... Jedes Gebet ist einmalig und originell. Es ist die nicht wieder kehrende Gelegenheit, hier und jetzt mit Gott in Beziehung, mehr noch, in einen intensiven Dialog zu treten. So wie ich jetzt gerade drauf bin, kann ich nur jetzt gerade vor ihn kommen (und nicht Stunden oder Tage später.) In dieser aktuellen Situation seht sich Gott danach, von mir zu hören, mit zur zu fühlen, mich zu ermutigen oder sicht mit mir zu freuen.

Vieles im Leben ist einmalig. Ich werde (normalerweise) nur einmal diese bestimmte Prüfung haben, wahrscheinlich nur einmal zum WJT nach Australien fahren - und auf jeden Fall nur einmal sterben. Immer wieder wird es auch einmalige Situationen gebe, die ich verpasse, weil ich andere Prioritäten setze.

Gebet ist täglich einmalig. Verpassen wir es nicht!

Berufungsförderer

In seiner Botschaft zum Weltgebetstag für die geistlichen Berufe ermuntert Papst Benedikt die Gläubigen, alles zu tun, Berufungen zu fördern:
Besonders in unserer Zeit, in der die Stimme Gottes von „anderen Stimmen“ erstickt zu werden scheint und der Vorschlag, ihm zu folgen und ihm sein eigenes Leben hinzugeben, als zu schwierig gilt, müßte jede christliche Gemeinschaft, jeder Gläubige bewußt die Aufgabe übernehmen, Berufungen zu fördern.
Ich möchte das zum Anlass nehmen, zu benennen, was mir geholfen hat, meine Berufung zu ent-decken.
  • An erster Stelle natürlich das Zeugnis meiner Eltern. Wir haben zwar nicht viel über den Glauben gesprochen, aber dennoch: Zu sehen, dass sie bei allen Urlauben immer zuerst die Kirche aufgesucht haben, um dort zu beten und die Messzeit für den Sonntagsgottesdienst herauszusuchen, das hat mich geprägt. Nicht weniger ihre Bereitschaft, Nachteile in Kauf zu nehmen und Verzicht zu üben, um ihrem Glauben auch in einer glaubenfseindlichen Gesellschaft treu zu bleiben.
  • Die Präsenz gottgeweihter Personen. Ich bin in der Diaspora aufgewachsen. Weit und breit gab es kein Kloster. Klöster (und ihre Bewohner) zu sehen, das war etwas Hochexotisches - für Urlaube und Wallfahrten. Als ich nach dem Abitur ein Jahr in einer westdeutschen, katholisch geprägten größeren Stadt lebte, sah ich zum ersten Mal Schwestern im realen Leben, also mitten in meinem Alltag. Das brachte mich zum ersten Mal zum Nachdenken.
  • Schwer zu glauben, aber wahr: Für mich waren zwei Professoren prägend. Sowohl der für Mittlere Geschichte als auch der für Kirchengeschichte verstanden es, mit einer solchen Liebe und Begeisterung vom Ordensleben, vom Geist ihrer Gründer, von der Bedeutung für die Gesellschaft zu reden, dass in mir der Gedanke aufkeimte: "Und was, wenn Gott dich auch an so einem Ort will, um IHM so zu dienen?"
  • Begegnungen: Auf Weltjugendtagen und ähnlichen Treffen sowie während eines Externsemesters an einer Hochschule, an der viele Ordensleute studierten, erlebte ich erstmals hautnah Menschen, die sich Gott ganz geschenkt haben. So unterschiedlich sie waren, so faszinierend wirkte auf mich ihre Hingabe.
    Jahre später - ich hatte schon meinen Weg im gottgeweihten Leben inmitten der Welt begonnen - war es erneut die Begegnung mit authentischen Ordensleuten, die mich ermutigte, Gott immer mehr und immer konkreter zu vertrauen und mich IHM ganz vorbehaltlos zu geben.
  • Ermutigung: Der selige Johannes Paul II. ließ bei den Weltjugendtagen kaum eine Gelegenheit aus, die jungen Leute zu ermutigen, sich der Frage der Berufung zu stellen. Über viele Jahre hörte ich das, 2002 fielen mir seine Worte ins Herz. Im weiteren Verlauf erlebte ich auch meinen Pfarrer mit seiner nüchternen, aber behutsamen Weise als Hilfe für meinen Weg.
  • Literatur. Besonders wichtig wurde für mich das Buch "Weil Gott es so von mir will" von Reinhard Körner. Es war der 3. Oktober 2002, als es mir im Bücherregal meiner Eltern in die Hände fiel und ich es regelrecht "verschlang".
  • Zeit, Stille, Begleitung, Austausch. All dies wurde mir geschenkt durch einen Zyklus zur Unterscheidung der Berufung. Über ein Jahr hinweg fuhr ich regelmäßig quer durch Deutschland, um zusammen mit anderen jungen Frauen dieser Frage Raum zu geben. Es war ein bisschen verrückt. Ich lebte allein - und fuhr doch so weit, um auf diesem Treffen einen großen Teil zu schweigen. Aber es war für mich absolut notwendig, meinen Alltag zu verlassen. Auch die Begleitung durch eine Schwester sowie der Austausch mit den Anderen erwiesen sich als große Hilfe.
  • Schließlich und endlich - eine Hochzeitspredigt: Ja, es klingt verrückt, aber tatsächlich gab mir eine Hochzeitspredigt den entscheidenden Impuls. Am Ende dieses Berufungszyklus' wusste ich nämlich immer noch nicht, wo Gott mich haben will. Ich zögerte, alles auf diese eine Karte zu setzen, ohne die Sicherheit zu haben, dass ich mir das nicht irgendwie einbilde. Kann ich all meine Sicherheiten aufgeben und loslassen? Doch dann sprach der Priester darüber, dass es auch in einer jungen Ehe viele offene Fragen gebe: Wird man immer Arbeit haben? Kann man Kinder bekommen? Wird man immer gesund sein? usw. Dennoch müsse man sich entscheiden, denn "letzte Sicherheit gibt es nicht." Es ist einzig und allein eine Frage des Vertrauens. Da fiel es mir wie Schuppen von den Augen und einige Wochen später konnte ich sagen "Ja, ich will."
Vielleicht ermutigt dieses Post ja einige, ebenfalls Impulse zu setzen, um die Berufungen zu fördern. Ich wünsche es mir sehr.

Berufen

Heute ist der 48. Weltgebetstag um geistliche Berufe. Vieles aus der Botschaft Papst Benedikts XVI. lohnt der Zitation. Mich spricht besonders folgender Absatz an:
Es ist ein Angebot, anspruchsvoll und begeisternd, das Jesus denen macht, zu denen er „Folge mir nach“ sagt: Er lädt sie ein, mit ihm Freundschaft zu schließen, sein Wort aus der Nähe zu hören und mit ihm zu leben. Er lehrt sie, sich ganz Gott und der Verbreitung seines Reiches hinzugeben entsprechend dem Grundsatz des Evangeliums: „Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und stirbt, bleibt es allein. Wenn es aber stirbt, bringt es reiche Frucht“ (Joh 12,24). Er lädt sie ein, aus ihrer Verschlossenheit herauszutreten, aus ihrer eigenen Vorstellung von Selbstverwirklichung, um in einen anderen Willen, den Willen Gottes, einzutauchen und sich von ihm führen zu lassen. Er läßt sie eine Brüderlichkeit leben, die aus dieser totalen Verfügbarkeit für Gott entspringt (vgl. Mt 12,49-50) und die zum unverwechselbaren Kennzeichen für die Gemeinschaft Jesu wird: „Daran werden alle erkennen, daß ihr meine Jünger seid: wenn ihr einander liebt“ (Joh 13,35).
Vor knapp sechs Jahren durfte ich den ersten offiziellen Schritt innerhalb meiner Gemeinschaft machen. Und ich kann nur bestätigen, was unser Papst da schreibt: Ja, es ist eine Herausforderung, deren Umfang ich zumindest damals noch nicht erfasst habe - und ich glaube, dass ich auch heute noch nicht am Ende der Entdeckungsreise angekommen bin. Sich selbst vergessen, eigene Pläne und Vorstellungen umformen zu lassen, das ist alles andere als einfach und lässt sich nur durch ein entschiedenes "Ja" leben. Bloßes passives Mit-sich-geschehen-Lassen wird sich auf Dauer nicht als tragfähig erweisen. Doch wenn es gelingt, dieses "Ja" bewusst zu geben - täglich neu - auch zu den trockenen Zeiten, der eigenen Schwäche, der Schwäche der anderen, zu und den Kämpfen, die mit diesem Weg verbunden sind, dann führt Gott einen zu einer größeren Freiheit, schenkt Gelassenheit, Friede und eine tiefe Freude. 

Es ist ein Abenteuer. Aber wer berufen ist, der zögere nicht!

Mittwoch, 11. Mai 2011

Genau 23 Jahre

... ist es jetzt her. Da ging ich zum ersten Mal zur Kommunion. Ich kann mich noch gut daran erinnern. Wir waren sechs Kinder: vier Mädchen und zwei Jungs. Während der Messe war meine größte Sorge, dass mir die große Kerze, die wir beim Ein- und Auszug mit der Hand, die jeweils nach außen zeigte, tragen mussten, zu schwer wird und irgendetwas in Flammen setzt. (Ich hatte panische Angst vor Feuer.) Der Tag selber war nicht sonderlich warm, in der Nacht muss es geregnet haben, denn ich erinnere mich, dass der Spaziergang durch den Schlosspark Matschflecken auf meiner weißen Strumpfhose hinterließ. Das Erstkommunionkleid entstammte übrigens einem Westpaket, bei uns gab es so etwas ja nicht zu kaufen.

Vom eigentlichen Sinn des Festes habe ich damals noch nicht viel begriffen. Wir hatten die Vorbereitung zwar bei unserem Pfarrer, aber auch wenn ich manches hersagen konnte, verstanden hatte ich nix. Das Verstehen kam dann Jahre später, als der neue Pfarrer uns auf die Firmung vorbereitete. Die Erkenntnis, dass ich in der Kommunion Christus selbst empfange - ganz real - schlug bei mir ein wie ein Blitz. Plötzlich wurde für mich die Messe interessant. Ich wurde von einer großen Freude darüber erfüllt, katholisch zu sein und zugleich von einer großen Ehrfurcht. Dieses Verstehen war der ganz zaghafte Beginn einer inneren Rückkehr zu Gott und zur Kirche. 

Auch wenn ich also mit meiner Erstkommunion keine große Glaubenserfahrung verbinde, ist mir die Wiederkehr dieses Datums seit vielen Jahren Anlass zur Dankbarkeit.

Sonntag, 8. Mai 2011

Weil doch noch Ostern ist

Ich liebe es, wie es die katholische Liturgie u.a. durch die bewusste Wahl von Zeiten für bestimmte Gesänge versteht, den Charakter eines Festes mit allen Sinnen erfahrbar zu machen.

Und außerdem passt es ja auch durchaus, am Muttertag ein Lied zu Ehren der Mutter (meine Mitschwester würde sagen von "Mama") zu posten.

Patrona Bavariae

Sich, eine Stadt oder gar ein ganzes Land unter den Schutz der Gottesmutter stellen - wie altbacken ist das denn? Bayern hat es 1917 getan und beginnend mit der Diözese Passau werden sich bis zum Jahr 2017 nun alle bayrischen Diözesen erneut der Gottesmutter weihen. 

Es war schon beeindruckend, den Altöttinger Kapellplatz am gestrigen Abend zu sehen. Die traditionelle Jugendwallfahrt der Passauer hatte viele junge und Junggebliebene Fußwallfahrer in das "Herz Bayerns" gelockt. (Fußwallfahrer sind immer sehr gut an ihrem markanten Gang zu erkennen. Respekt vor dieser Leistung!) Ich meinerseits bin nur mit dem Auto angereist, denn ich hatte noch ein Seminar bis zum späten Nachmittag. Wie auch immer, um die 10.000 Teilnehmer sollen es gewesen sein.

Zwar ging es um eine bayrische Angelegenheit, aber predigen durfte ein "Preuße" - Kardinal Marx. Und, das muss man ihm lassen, er verstand es, den Menschen Bayerns (worunter er auch ausdrücklich die "Zugezogenen" wie sich und mich zählte) eine gesunde marianische Spiritualität nahezulegen - und zwar anhand der Lesungen, deren Referenzen ich leider nicht mehr zu 100 Prozent nachvollziehen kann.

Anhand der 1. Lesung (ich meine, Römer) sprach Kardinal Marx über die Notwendigkeit, jedem Einzelnen und der Welt in Liebe zu begegnen. Nur was man angenommen hat und liebt, kann man retten. Auch Maria habe ihr "Ja" zu dieser Welt gegeben und konnte so den Weg für die Erlösung der Menschen mit bahnen.

Die 2. Lesung stammte aus Offb 12 (die Frau in Geburtswehen und der Drache): Mit Maria streiten. Die Kirche muss streitbar sein in der Begegnung mit dieser Welt. Wenn die Welt Wege einschlägt und gutheißt, die nicht gutzuheißen sind, dann ist es gute christliche Pflicht, sich zu positionieren, dagegen zu streiten, Flagge zu zeigen. Ausdrücklich sprach er dabei über Fragen des Lebensschutzes, der Sorge um die Armen etc. Nicht Versteckspiel und Jammern seien angebracht, sondern eine bewusste Mitgestaltung unserer Gesellschaft. Und Marx erteilte eine klare Absage an Tendenzen, sich innerhalb der Kirche zu streiten anstatt selbstbewusst in die Gesellschaft hinein zu wirken.

Das Evangelium war Joh 2 (die Hochzeit zu Kana). Das Wesen des Christentums bestehe ich Verwandlung, in der Bereitschaft, sich verwandeln - und damit erneuern - zu lassen. Das sei auch immer wieder für die Kirche - und für jeden Einzelnen in ihr - angeraten.

Ich gebe zu, dass diese meine bruchstückhaften Notizen nur einen Ausschnitt wiedergeben - und zwar den, den ich mir ohne Mitschrift merken konnte. Ich vermute mal, dass man in Kürze Genaueres im www nachlesen kann.

Maria, Patrona Bavariae, bitte für uns!

Mittwoch, 4. Mai 2011

Heute schon gebetet?

Dem Thema "Schule des Gebets" widmet Benedikt XVI. nun seine Audienz-Katechesen. 

Moment mal: Kann man Beten lehren? Ja, man kann. Man muss es sogar. Viele haben das Beten verlernt - v.a. das freie persönliche Gebet. Dabei ist dies doch der Schlüssel zu so vielem: zu einer lebendigen Gottesbeziehung, nach der sich im Tiefsten doch ein jeder sehnt, zur Erneuerung - der persönlichen wie auch der der Kirche.

Spannend finde ich schon den Auftakt dieser neuen Katechese-Reihe: Wie schon die Völker außerhalb des jüdisch-christlichen Kulturkreises wesentliche Grundzüge des Betens kannten. Wie diese Formen des Gebets  Zeugnis für die dem Menschen inne wohnende Sehnsucht nach Gott und einer Beziehung zu ihm geben.

Da fällt mir wieder mein Reitlehrer ein, der mir mal sagte: "Ich bete ja nichtt. Aber manchmal setz ich mich ans Wegkreuz - und dann rede ich mit IHM." So einfach kann es gehen. Ich bin schon gespannt, was ich von unserem Papst über das Gebet lernen kann.

Dienstag, 3. Mai 2011

Theologie zu Pferde

Auch wenn es erstaunlich erscheint: Ich gehe reiten. Und meine Mitschwester ebenso (die brachte mich auf diese Idee). Wir beide haben Einzelunterricht beim gleichen Reitlehrer. Der ist jetzt nicht besonders religiös und war ganz erstaunt, als er erfuhr, dass er nun zwei Schwestern unter seinen Reitern hat. Wenn man mit ihm im Gelände unterwegs ist, ergeben sich immer wieder Gespräche - über das Leben, die Gesellschaft, manchmal auch über den Glauben. 

Letztlich überraschte er mich mal wieder mit folgender (sinngemäß wieder gegebener) Bemerkung: "Wenn ich dich und deine Mitschwester so erlebe, dann weiß ich einfach, dass es noch etwas Anderes gibt. Ihr zwei seid nicht hinter dem Geld her oder an der Karriere interessiert. Und strahlt ihr etwas aus. Da sieht man, dass es noch mehr gibt als das, was wir für wichtig halten."

Zugegeben, da hat er nicht ausdrücklich die Worte "Glaube" und "Gott" in den Mund genommen.  (Das hat er aber vor einigen Monaten bereits in unglaublich starker Weise getan. Bei Gelegenheit reiche ich diese Begebenheit nach.) Aber mich hat es mal wieder erstaunt. Es war nämlich ein Tag, an dem ich mir grad nicht so toll vorkam mit meiner konkreten Umsetzung der Nachfolge. Und dann das. Und dazu das Wissen aus meiner Schwestern-Ausbildung, dass das geweihte Leben eine Vorwegnahme des Himmlischen und damit eine Art "Hinweisschild" auf den Himmel und die Existenz Gottes ist. Genau das ist an dem Tag wieder mal deutlich geworden. Trotz meiner Defizite. Gott kann da was draus machen. Auch wenn ich (zu Pferd) nicht in Schwesternkleidung unterwegs bin und auch keine Aktivität betreibe, die die Mission zum Ziel hat.

Ich hab einfach eine geniale Berufung.