Donnerstag, 22. September 2011

Wenn Mama mich sucht ...

... ich bin beim Papst. Soll heißen, bis zum Sonntag bleibt es ruhig hier, weil ich mich morgen nach der Arbeit auf den Weg in Richtung Erfurt mache, Rückkehr nicht vor Sonntag.
Aber Mama wird mich wohl ohnehin nicht hier suchen, sondern in Erfurt. Denn meine Eltern fahren da auch hin. Der Papst sorgt mithin für ein Familientreffen.

Katholischsein ist einfach cool

Ein Papst, der
  • für spontane Überraschungen sorgt ("Die Bedeutung der Ökologie ist inzwischen unbestritten.") und dem dabei ein gewisser Schalk im Nacken zu sitzen scheint.
  • sehr klare Worte findet ("Der Mensch ist nicht nur sich selbst machende Freiheit. Der Mensch macht sich nicht selbst. Er ist Geist und Wille, aber er ist auch Natur, und sein Wille ist dann recht, wenn er auf die Natur hört, sie achtet und sich annimmt als der, der er ist und der sich nicht selbst gemacht hat. Gerade so und nur so vollzieht sich wahre menschliche Freiheit.") Ein feiner Wink in Richtung Gender-Mainstream, aber auch all die Diskussionen um den Umgang mit Embryonen.
  • sich am Flughafen mehr Zeit für den small talk mit den Kindern nimmt als für die Begrüßung der Honorationen.
  • im Olympiastadion die Kindlein zu sich kommen lässt.
  • als Hirte sieht, wo die Wurzel manchen Übels und mancher Unzufriedenheit ist. ("Manche bleiben mit ihrem Blick auf die Kirche an ihrer äußeren Gestalt hängen. Dann erscheint die Kirche nur mehr als eine der vielen Organisationen innerhalb einer demokratischen Gesellschaft, nach deren Maßstäben und Gesetzen dann auch die so sperrige Größe „Kirche“ zu beurteilen und zu behandeln ist. ... Dann kommt auch keine Freude mehr über die Zugehörigkeit zu diesem Weinstock „Kirche“ auf. Es verbreiten sich Unzufriedenheit und Mißvergnügen, wenn man die eigenen oberflächlichen und fehlerhaften Vorstellungen von „Kirche“, die eigenen „Kirchenträume“ nicht verwirklicht sieht!")
  • aber auch den Weg weist. ("Wichtig ist, daß wir am Weinstock, bei Christus „bleiben“. ... In Christus bleiben heißt, wie wir bereits gesehen haben, auch in der Kirche bleiben. Die ganze Gemeinschaft der Gläubigen ist in den Weinstock Christus fest hineinverfügt. In Christus gehören wir zusammen. In dieser Gemeinschaft trägt er uns und zugleich tragen alle Glieder sich gegenseitig. Sie halten gemeinsam Stand gegen den Sturm und geben einander Schutz. Wer glaubt ist nicht allein. Wir glauben nicht alleine, sondern wir glauben mit der ganzen Kirche.")
Kurzum: Ein spannender erster Tag.

Mittwoch, 21. September 2011

Warum Erfurt?

Ich werde zum Papst nach Erfurt fahren. Obwohl ich dadurch einige wichtige Dinge in meinem neuen Zuhause verpasse. Aber es ist mir ein Anliegen, genau dahin zu fahren. Meine Motivation wird nochmals bestärkt, wenn ich auf www.erfurt.de unter den "Fragen und Antworten" zum Papstbesuch lese:
3.) Warum kommt der Papst nach Erfurt?
Die Reiseroute kommt vom Papst selbst. Mit seinem Besuch in Erfurt möchte Papst Benedikt XVI. auch seine Wertschätzung der Situation der Christen in der ehemaligen DDR zum Ausdruck bringen. Der Besuch in Thüringen steht gleichsam stellvertretend für alle neuen Bundesländer.
Genau das hab ich mir gedacht. Erfurt ist für mich Teil meiner Heimat. Und soweit ich meine Kirchengeschichte korrekt drauf habe (und da  maße ich mir einige Sachkenntnis an), ist dies der erste Besuch eines Kirchenoberhauptes im "Osten", im Land der Reformation, in dieser Diaspora. Erfurt ist für mich diesbezüglich mehr im Osten als Berlin, auch wenn das geographisch unsinnig ist. Wenn Papst Benedikt XVI. in zwei Tagen nach Erfurt kommt, dann besucht er gewissermaßen meine Ortskirche, die mich 30 Jahre lang geprägt hat. Und genau deshalb werde ich auch dort sein. Ich bin gespannt, was er uns Diaspora-Christen zu sagen hat.

Pflichtlektüre

... vor allem für den Chor der Papstkritiker, der bislang nur Misstöne hervorgebracht hat.

Zehn Irrtümer über Papst Benedikt

Dienstag, 20. September 2011

Vergleichende Studien

Heute hab ich mir mal die Homepages der gastgebenden Stätten des Papstbesuches angeschaut (nicht der gastgebenden Bistümer). Sehr interessant. Ich lade euch ein zu einer kleinen Screenshot-Reise durch die Republik der Gastgeber.

Beginnen wir mit Berlin. Bei der Eingabe von www.berlin.de braucht es ein wenig Geduld oder ein feines Auge. Denn auf den ersten Blick kommt der Papst gar nicht vor:
Es dauert einige Sekunden, bis das Titelbild mitsamt Überschrift wechselt. Ah, Glück gehabt. Man hat ja fast schon fürchten müssen, die falsche Stadt angeklickt zu haben. Aber nein, offensichtlich ist es der Bundeshauptstadt doch die Mühe wert, sich damit zu befassen. Das geschieht in folgender Weise:
Ein weiterer Klick ... und man landet auf einer sehr nüchtern gehaltenen Seite, die nichts als Informationen bietet. Kein Willkommen - weder für den Papst noch für seine Gäste, keine Bekundung der Freude oder was auch immer zum Besuch:

So schwenken wir nun nach Mitteldeutschland/Thüringen. Auf www.thueringen.de ist der Papstbesuch die - wenn auch nüchtern gehaltene - Top-Meldung. Erfurt als gastgebende Stadt tut es dem Land gleich. Auf die Wiedergabe dieser beiden Seiten verzichte ich hier. Wenn man bei www.erfurt.de auf die Top-Meldung klickt, kommt man auf eine site, auf der der Papstbesuch als ein Höhepunkt des Jahres bezeichnet wird. Mitten in der ostdeutschen Diaspora verweist eine Seite der öffentlichen Hand auf die ökumenische Besonderheit dieses Treffens und auf die historische Bedeutung der Stadt für den katholischen Augustinermönch Luther. Zahlreiche weitere Links bieten Erfurtern wie Gästen hilfreiche Informationen für den Tag.


Unter www.eichsfeld.de findet sich der Papstbesuch ebenfalls als Top-Thema. Die Informationen sind sachlich und informativ zugleich. Die Autoren wissen offensichtlich, mit den kirchlichen Begriffen korrekt umzugehen und finden insgesamt einen warmen Ton für das Ereignis.
Den Abschluss unserer virtuellen Rundreise bildet Freiburg. Gleich auf der Startseite von www.freiburg.de ist die Rede davon, dass die Stadt den Hl. Vater erwartet. Wichtige Honorationen der Stadt heißen ihn willkommen. Das sieht nach einem wahrhaft herzlichen Empfang aus. Auch die Pilger finden im weiteren Verlauf gut aufbereitete und oftmals liebevoll umgesetzte Informationen.

Fazit: Je südlicher, desto herzlicher. Berlin ist eindeutig enttäuschend. Aber das ist jetzt auch nicht so überraschend.

Montag, 19. September 2011

Ist völlig wurscht ...

... denn das Wetter kommt sowieso.

Eingedenk dieser Liedzeile von Reinhard Meys Sauwetterlied gebe ich in meinem normalen Alltag nicht allzu viel auf Wetterprognosen. Doch heute hab ich doch mal die Wettervorhersage bemüht. Ich will ja wissen, worauf ich mich so einstellen soll, wenn ich am Samstag zum Papst nach Erfurt fahre. Also im Prinzip kann ich es entspannt angehen, denn es verspricht, ein angenehmer spätsommerlicher Tag zu werden. Jedoch reisen wir schon mitten in der Nacht an. Und bei 9° C will es schon gut überlegt sein, was Schwester so anzieht. Naja, ich hab ja noch ein paar Tage Zeit, um mir eine gute Strategie auszudenken. Ich bin ja schon mal sehr dankbar, dass es kein schlechtes Wetter geben soll.

Mutter Äbtissin

So schaut sie aus, die frisch geweihte Mutter Äbtissin M. Philippa Kraft, 43. Äbtissin des Klosters St. Marienstern, das trotz seiner Lage in Sachsen in all den Wirren der Zeit (Reformation bis DDR) immer katholisch geblieben ist. 

Gottes Segen für dieses Amt inmitten einer herausfordernden Welt.

Und hier gibt es noch mehr Fotos von dem Ereignis.

Sonntag, 18. September 2011

Kurz und knackig ...

... war das Wort zum Sonntag, das Papst Benedikt XVI. sprach. Im letzten Abschnitt versteht es unser Papst, mit wenigen Worten (genau 270) die Grundfragen des Lebens und Glaubens anzusprechen: Gibt es Gott? Und wie können wir ihm begegnen? Diesen Abschnitt dieses Meisterwerks der Kurzkatechese möchte ich in seiner Gänze zitieren. Der komplette Text kann hier nachgelesen werden. Da gibt's auch das bewegte Bild. Im Zitat werde ich jene Sätze fett markieren, die mir besonders wichtig sind.
Sie werden mich vielleicht fragen: 'Gibt es Gott überhaupt? Und wenn es ihn gibt, befasst er sich überhaupt mit uns? Können wir bis zu ihm vordringen?' Nun, es ist wahr: Wir können Gott nicht auf den Tisch legen, wir können nicht wie ein Gerät ihn anrühren oder wie irgendeine Sache in die Hand nehmen. Wir müssen die Wahrnehmungsfähigkeit für Gott, die in uns da ist, wieder neu entwickeln. In der Größe des Kosmos können wir etwas ahnen von der Größe Gottes. Wir können die Welt technisch nützen, weil sie rational gebaut ist. In dieser großen Rationalität der Welt ahnen wir etwas von dem Schöpfergeist, von dem sie kommt, und wir können in der Schönheit der Schöpfung doch etwas von der Schönheit, Größe und auch von der Güte Gottes sehen. Wir können im Wort der Heiligen Schrift Worte ewigen Lebens hören, die nicht einfach nur von Menschen kommen, sondern die von Ihm herkommen, in denen wir Seine Stimme hören. Und endlich, in der Begegnung mit Menschen, die von Gott angerührt worden sind, sehen wir gleichsam Gott. Ich denke nicht nur an die Großen: von Paulus über Franz von Assisi bis zu Mutter Theresa; sondern an die vielen einfachen Menschen, von denen niemand spricht. Und doch, wenn wir ihnen begegnen, geht von ihnen etwas von Güte, von Lauterkeit, von Freude aus, dass wir wissen, da ist Gott, und dass er uns anrührt. Darum wollen wir uns in diesen Tagen mühen, dass wir Gott wieder zu Gesicht bekommen, dass wir selber Menschen werden, von denen ein Licht der Hoffnung in die Welt hereintritt, das Licht von Gott her ist und uns leben hilft.

Freude ...

Lebensfrohe Schwestern gibt es im Kloster Marienstern in Sachsen. Das Video entstand vor vier Jahren, als die Bronx Brothers (Franciscan Friars of the Renewal) anlässlich der Primiz ihres sächsischen Mitbruders Paulus ein Konzert im Klosterhof von St. Marienstern gaben. 


Heute haben die Nonnen dort wieder Grund zur Freude: Die Benediktion Schwester Philippas zur Äbtissin. Ob die Schwestern dieses Ereignis nun so feiern wie in diesem Video, wage ich zu bezweifeln. Aber ich freue mich, dass neben ernsthaftem Gottesdienst und Chorgebet auch Raum für eine gewisse Ausgelassenheit ist. Das spricht dafür, dass dieses Kloster lebendig ist. (Und das sag ich jetzt nicht nur aufgrund des Videos. Ich kenne die Abtei und ihre Schwestern ein wenig.) Ich wünsche der neuen Äbtissin, dass sie ihrer Gemeinschaft in frohen und in schweren Tagen eine gute Mutter sein wird.

Samstag, 17. September 2011

Glücklich machender Job

Amerika hat's evaluiert: Geistliche haben den Job, der am meisten glücklich und zufrieden macht: klick
Das ist doch mal eine Botschaft - nicht nur für Werbungszwecke.

Freitag, 16. September 2011

My happy day

Schon seit langem nervt mich mein Mobilfunkbetreiber mit der mindestens wöchentlichen sms, die mir verspicht: "Morgen ist Ihr happy day". Aha. Grund dafür sei, dass ich kostenlos netzintern telefonieren könne. Das interessiert mich nicht die Bohne. Und das ist sicher kein Grund, mir in irgendeiner Form ein Glücksgefühl zu bereiten, vom wahren Glück mal abgesehen.

Ich werd weiterhin so wenig wie möglich mobil telefonieren. Und ich werde weiterhin die Feste feiern, wie sie fallen. Heute z.B. feiere ich, dass ich vor exakt vier Jahren in die Ausbildungszeit des geweihten Lebens unserer Gemeinschaft eingetreten bin. Für mich ist dieser Tag schon Lichtjahre entfernt, denn seither hat sich sehr vieles in meinem geistlichen und irdischen Leben verändert. Die Gnade Gottes ermöglicht Undenkbares. Und schon kann ich die Tage zählen bis zu dem Tag, an dem ich mein erstes (zeitliches) Engagment eingehen darf. DAS sind wahre happy days.

Dienstag, 6. September 2011

Gipfeltreffen

Der Papstbesuch ermöglicht, was die Kunstszene alleine nicht vermochte: In Dresden sind zurzeit mehrere bekannte Madonnen-Darstellungen vereint. Die Sixtinische Madonna, die schon lange in der Galerie der Alten Meister beheimatet ist, erhält Besuch von der "Madonna di Foligno", die ebenfalls aus der Pinselspitze Raffaels stammt.
Gesellschaft geben den beiden Darstellungen Muttergottes-Bilder von Dürer, Lucas Cranach d. Ä., Corregio, Garofalo und Matthias Grünewald.
Bemerkenswert an der Sonderausstellung ist, dass die "Madonna die Foligno" eigentlich als nicht ausleihbar zählt. Einzig der päpstliche Besuch auch im östlichen Deutschland macht das Unmögliche möglich. Bis Anfang Januar kann man dieses "Gipfeltreffen" der besonderen Art besichtigen.

Montag, 5. September 2011

Und noch eines

Mutter Teresa über Vergebung:

In Memoriam Mutter Teresa

Heute vor 14 Jahren verstarb die nun selige Mutter Teresa. Dies ist mir Anlass, sie selbst zu Wort kommen zu lassen - mit den wohl bekanntesten Worten, die von ihr heute noch überliefert sind.



Im vergangenen Jahr beschäftigte sie mich mehr als je zuvor. Die Bitte, ein paar Liedtexte für ein Musical über sie zu liefern, war der Ausgangspunkt dafür. Es wurde eine spannende Entdeckungsreisende, die noch mich noch mehr packte, als das Musical zur Aufführung kam und ich dort auf der Bühne wirklich eine unglaublich dichte Darbietung sah. Ihr Blick für den Einzelnen, ihre Liebe zu Gott, ihr im Vertrauen auf Gott verankerter Realismus - das ergibt eine Mischung, aus der Heilige sind.

Diese Beschäftigung traf zudem zusammen mit meinem Einstieg als Pfarrhaushälterin. Das ist - so muss ich es gestehen - nicht gerade mein Traumjob. Und nach jahrelanger Berufserfahrung in weitaus angeseheneren Positionen kostete mich das zunächst einiges. (Ganz abgesehen davon, dass meine haushälterischen Qualitäten auch nicht als geradezu überragend bezeichnet werden können.) Und dann traf mich ihr Wort ins Herz: "Es kommt nicht darauf an, was ihr tut, sondern mit wie viel Liebe ihr es tut." Seither mache ich meine Arbeit wirklich gern.

Vor einigen Jahren fand ich im www eine Liste, die in einem deutschen Magazin veröffentlicht worden war: "Die 200 Idole der Deutschen". Und da steht Mutter Teresa ganz oben (gleich hinter der eigenen Mutter.) Durchaus erstaunlich. Wie viel heller wäre unser Alltag, wenn wir uns wirklich alle an dieser Seligen orientieren würden?

Donnerstag, 1. September 2011

Impulse zur Neuevangelisierung

Damit beschäftigte sich jüngst Papst Benedikt XVI. mit seinem Schülerkreis. Vor diesem Kreis hielt Otto Neubauer, Leiter der Akademie für Evangelisation Wien, einen absolut empfehlenswerten Vortrag, den man hier zur Gänze lesen kann: Der Feuerfunke des Glaubens.

Berührend, wie er über den Hunger der Menschen nach Gott spricht - auch bei Menschen, denen wir dies auf den ersten Blick leichthin absprechen würden. Das ist eine der Grundvoraussetzungen bei der Evangelisation: Die Bekehrung des eigenen Denkens. Nicht zu klein vom Handeln Gottes denken - und von den Möglichkeiten und verborgenen Sehnsüchten, die Gott in die Menschen hinein gelegt hat.

Also: Die Armut des eigenen Denkens und Glaubens annehmen und nicht dieser zum Trotz, sondern durch sie hindurch den Schritt wagen, Gott dort zu verkünden, wo die Menschen sind. Und dies (ganz wichtig, wie es im 3. Punkt heißt) in Gemeinschaft - Gemeinschaft von Laien und Priestern, von Katholiken verschiedener Coleur, im echten Hinhören auf die Bedürfnisse unserer Nächsten.