Dienstag, 27. Dezember 2011

Ja, ich will.

Nein, ich hab Weihnachten nicht verpasst. Und das ist auch nicht die 25. Tür. Wenn der geneigte Leser dieses Post liest, bin ich schon einige Tage in Frankreich. Dort feiere ich Weihnachten mit meinen Mitschwestern und bereite mich gleichzeitig auf einen persönlichen Höhepunkt vor: Am Jahresende werde ich in der hier abgebildeten Kirche den Schritt ins fünfjährige Engagement im gottgeweihten Leben meiner Gemeinschaft machen. 

"Ja, ich will" werde ich antworten, wenn ich gefragt werde, im Zölibat für das Himmelreich zu leben, entsprechend den Charismen meiner Gemeinschaft, in der Welt, ohne von der Welt zu leben, mich in der Nachfolge Christi immer ärmer machen zu lassen, in Freude und Einfachheit zu leben, im Vertrauen auf die Führung durch die Verantwortlichen. ...

Eine lange Vorbereitungszeit ging diesem Schritt voraus - mehr als sechs Jahre. Ich weiß, dass ich keine perfekte Schwester bin - und das wohl auch nie sein werde. Aber Gott bittet mich nicht um einen Perfektionismus, sondern um mein Vertrauen und um meine Liebe. Und so gebe ich in aller Armut das, was ich geben kann: mich selbst - mit all meinen Grenzen und Schwächen, mit meinen Gaben und meiner Leidenschaft. Ich bitte euch ums begleitende Gebet für diesen Moment und eigentlich auch für die Zeit danach.

Samstag, 24. Dezember 2011

24. Tür: Anbetung

Die Krippe ist für die Besucher aus Nah und Fern v.a. eines: ein Ort der Anbetung. Anbetung ist dort angebracht, wo ich um Gottes Gegenwart weiß. Die eucharistische Anbetung ist für uns Katholiken genau das: Wir beten Gott an, von dem wir wissen, dass er gegenwärtig ist im Leib Christi. Was nach außen nur wie ein Stückchen Brot aussieht, ist für uns so viel mehr. Und selbst wenn wir es von Herzen her glauben, werden wir es nie so ganz erfassen können, was Gott uns da Großes geschenkt hat.

Die Anbetung ist ein Ort, an dem vieles, von dem, was ich im Rahmen des Adventskalenders thematisiert habe, seinen Platz hat: Der Heilige Geist, denn er ist es, der im Rahmen der Hl. Messe das Brot in den Leib Christi wandelt und der mir den Glauben schenkt. Die Eucharistie sowieso. Die Stille natürlich, denn gerade in der Stille kommt es zum anbetenden Verweilen vor Gott. Das Gebet selbstverständlich, denn die Anbetung ist eine Form davon und mir persönlich fällt das Beten da am leichtesten. Das Hören und das Sehen sind herausgefordert. Anbetung ist Begegnung mit Gott. Es kann ein Moment sein, in dem ich das Wort Gottes oder einen Gedanken aus der geistlichen Lektüre betrachte. Hier bin ich ganz Kind vor Gott, denn mein Verstand kann es nicht erfassen, doch ich darf einfach vor ihm dasein. Sie nährt die Sehnsucht nach Gott und kann selbst zur Quelle der gelebten Nächstenliebe werden. Im Licht seiner Gegenwart sehe ich, wo ich gefehlt habe und wo ich im geistlichen Leben wachsen konnte - und was ggf. in die Beichte oder in die geistliche Begleitung zu tragen ist. Hier ist Gemeinschaft und Einsamkeit gleichermaßen. ...

In der Anbetung muss ich nichts leisten. Ich muss Gott nicht unterhalten. Er lädt mich einfach ein, ihn anzuschauen und mich von ihm anschauen zu lassen. Die Betrachtung des göttlichen Kindes in der Krippe kann helfen, diese Gebetsform zu entdecken: einen Blick in die Krippe werfen und staunend und dankbar dieses Kind betrachten und anbeten. Ich würde mich freuen, wenn viele diese Gebetsform lieben lernen und diese Tür öffnen können.

Freitag, 23. Dezember 2011

23. Tür: Keuschheit

Hier nun also der dritte evangelische Rat - die Keuschheit. Bevor jetzt die Mehrzahl der Leser gleich wegklickt, weil sie sich sagt: "Geht mich nichts an, ich lebe nicht im Zölibat." möchte ich sagen: Mag sein. Aber ein Leben in Keuschheit ist in jedem Lebensstand möglich und angeraten - auch in der Ehe. Ich will hier also von der Keuschheit reden, nicht vom Zölibat. 

Und es passt gut zu Weihnachten. Als ich einmal bei Ingatianischen Exerzitien die Weihnachtsszene betrachtete, hatte ich genau diesen Eindruck: einem Moment unglaublicher Reinheit und Keuschheit beiwohnen zu können. 

Es geht um die Beziehungen zu anderen Menschen. Je nach der konkreten Lebensform und -stand hat man mehr oder weniger zahlreiche Beziehungen zu anderen Menschen. So schön sie sind (wir sind dazu geschaffen, in Gemeinschaft zu leben), so soll mir im Idealfall kein Mensch wichtiger sein als Gott. In jeder zwischenmenschlichen Beziehung sollte die Perspektive für den Himmel sichtbar sein. D.h. ich erwarte mein Heil und meine Erlösung nicht von Menschen. Ich richte mein Interesse nicht ausschließlich auf den Partner, die beste Freundin oder die Kinder. Ich mache sie nicht zum Objekt meiner Interessen und respektiere die innerste Kammer ihres Herzens, den Ort ihrer Intimität mit Gott. ´So wie auch ich nicht danach trachte, andere an diesen Ort mitzunehmen.

Dann gewinnen auch meine zwischenmenschlichen Beziehungen an Qualität, denn sie sind frei von Berechnung und Hintergedanken. Und gleichzeitig bleibt die Tür offen für Gott, der allein mich besser kennt als ich mich selbst und den einzulassen daher auch keine Verletzungen zur Folge haben wird.


Donnerstag, 22. Dezember 2011

22. Tür: geistlicher Austausch

Freundschaften sind etwas kostbares. Einen besonderen Stellenwert haben für mich jene Freundschaften, in denen sich oft ganz von selbst auch ein geistlicher Austausch ergibt. Aber nicht nur im Rahmen von tiefer persönlicher Freundschaft hat der geistliche Austausch seinen Platz. Auch in einem Gebets- oder Hauskreis, innerhalb einer Wallfahrtsgruppe und auch in der Familie können sich Gelegenheiten dafür ergeben. 

Der geistliche Austausch gehört für mich in die Kategorie "Geteilte Freude ist doppelte Freude. Geteiltes Leid ist halbes Leid." Wenn ich einen gewissen Einblick in das Handeln Gottes im Leben anderer erhalte, überkommt mich oft  Ehrfurcht und Dankbarkeit ihm gegenüber. Das macht Mut, belebt und spornt an, auch in meiner eigenen Gottesbeziehung voranzugehen. Wenn ich meinerseits andere einblicken lassen in den Weg Gottes mit mir, kann mancher Gedanke, manches Wort Gottes tiefer in mich einsinken. Nicht zuletzt ist das direkte oder auch indirekte Feedback Hilfestellung für mich.

Selbst bei "weltlicher" Freizeitbeschäftigung kann sich plötzlich ein geistliches Gespräch ergeben. Unvergessen bleibt mir ein Feedback, das mir mein Reitlehrer ganz am Anfang meiner Reiterkarriere gab: "Ich kann dich schon so viele Dinge machen lassen, die ich normalerweise die Reitanfänger nicht so schnell machen lassen, weil du keine Angst hast, ganz loslässt, mir vertraust und genau das tust, was ich sage. Und das kannst du, weil du das mit Gott genauso lebst." Damals begriff ich, worauf es im Leben mit Gott ankommt:
  • keine Angst haben
  • Loslassen
  • Vertrauen
  • tun, was Gott mir sagt
 Also, Türchen auf für den geistlichen Austausch/ das geistliche Gespräch.

Mittwoch, 21. Dezember 2011

21. Tür: Hören

Mit der Stille und der Einsamkeit haben wir uns schon befasst. Beides ist hilfreich für das rechte Hören. So wie es eine Fülle von Bildern gibt, sind wir auch einer Vielzahl von Geräuschen ausgesetzt. Als Gott mich vor neun Jahren packte und mich unmissverständlich herausforderte, die Frage meiner Berufung zu prüfen, begriff ich, dass ich ihm zwar über viele Jahre hinweg gesagt hab, ich sei bereit, wenn er mich nur riefe, aber mir doch nie die Zeit genommen habe hinzuhören. Das Hören auf Gott geht eben nicht so nebenbei. Es braucht einen Rahmen (u.a. die Stille und auch Freiheit.)

Und es ist eine der wichtigsten geistlichen Übungen. Nicht umsonst lautet der erste Satz der Regel des Hl. Benedikt:
Höre, mein Sohn, auf die Weisung des Meisters, neige das Ohr deines Herzens, nimm den Zuspruch des gütigen Vaters willig an und erfülle ihn durch die Tat! So kehrst du durch die Mühe des Gehorsams zu dem zurück, den du durch die Trägheit des Ungehorsams verlassen hast.
Der Ordensgründer setzt das Hören seiner Regel voran. Und sein weiser Rat gilt nicht nur denen, die zum gottgeweihten Leben berufen sind. In gewissem Sinn hat jeder Mensch eine Berufung, die er von Gott empfängt. Doch dieses Empfangen kann sich nur verwirklichen, wenn man bereit ist, auf Gott zu hören. Dies wiederum setzt Vertrauen voraus. Und auch eine Bekehrung, wie es ja die Regel formuliert. (Ich sollte ja nicht nur bereit sein zum Hören, sondern auch zum Befolgen des Gehörten. Vgl. Mt 12,46-50.) Bewusste Zeiten des Hinhörens (Gebet) braucht es - und auch einen Rahmen der Unterscheidung (geistliche Begleitung). 

Dass Benedikt das Hören an erste Stelle sitzt, zeigt, dass es die Voraussetzung für ein Leben mit Gott ist. Dabei geht es v.a. um ein inneres Hören. Die Schärfung des äußeren Gehörs kann dabei jedoch sehr hilfreich sein. Wer aufmerksam hört, kann sich ins Herz treffen lassen von einem Wort, das man mitten im Alltag "aufschnappt" - auch an völlig unerwarteten Orten. So fiel bspw. vor Jahren bei einer Hochzeitspredigt ein entscheidendes Wort in mein Inneres, das es mir ermöglichte, Ja zum gottgeweihten Leben zu sagen. 

Also: Ohren aufgesperrt für die Tür des Hörens.

Dienstag, 20. Dezember 2011

Werbung

Kurze weitere Werbeeinheit für die Adventskalender-Clips der ESM Altötting. Diesmal mit meiner Mitschwester in der Hauptrolle. Ihr erstes gesprochenes Wort ist so typisch für sie. Fein beobachtet von den Machern.


20. Tür: Einsamkeit

Nach der Gemeinschaft nun die Tür der Einsamkeit? Mach ich das jetzt nur um des Kontrastes willen? Vielleicht. Ursprünglich hatte ich das Thema gar nicht auf meiner Adventskalender-Liste. Aber jetzt hat es mich doch "erwischt". Also müsst ihr da jetzt auch durch.

Als ich vor mehreren Jahren sehr deutlich das Anklopfen Gottes spürte, der mich ermutigte, der Frage meiner Berufung Raum zu geben, suchte ich in meiner Verwirrung (ich war damals frisch verliebt) das Gespräch mit einem Priester. Und was riet der mir? "Lerne, die Einsamkeit auszuhalten. Lerne, mit ihr umzugehen. Suche sie." Ich war doch ziemlich verblüfft über diesen Rat. Doch genau den brauchte ich damals. Also machte ich mich auf den Weg, die Einsamkeit zu entdecken: Ging es am Anfang noch darum, Zeiten des Alleinseins auszuhalten und nicht vor ihnen zu fliehen, so lernte ich im Lauf der Jahre, diese besonders zu schätzen.

Während meines Noviziats hatten wir einen Tag pro Woche in der Einsamkeit und im Schweigen. Auch jetzt nehme ich mir nach Möglichkeit, einen Tag oder ein Wochenende pro Monat als sog. "Wüste". Diese Tage sind mir besonders kostbar (auch wenn sie in ihrer Planung oft umkämpft sind). Da öffnet sich das Herz wirklich in besonderer Weise für die Gegenwart Gottes. Es sind Zeiten, in denen man die Eindrücke und Anregungen der vergangenen Zeit ordnen kann, in denen man das Herz zur Ruhe bringt und einfach mit Gott ist. Oft schon sind für mich von diesen Zeiten der Einsamkeit wesentliche Impulse für das geistliche Leben ausgegangen.

Solche Zeiten sind nicht immer nur einfach. Ohne die Anwesenheit anderer bin ich schlicht und ergreifend auch sehr stark mit mir selber konfrontiert. Ich kann nicht Dinge, die schief laufen, anderen anlasten. Ich muss mit Situationen, die mich belasten, alleine fertig werden. Und so lerne ich, sie bewusst Gott abzugeben und immer mehr auf ihn zu vertrauen. Alles von ihm zu erhoffen, auf ihn zu schauen, auf ihn zu hören, mich von ihm zu empfangen.

Die Einsamkeit kann mich öffnen für Gott.

Montag, 19. Dezember 2011

19. Tür: Nächstenliebe

Nicht erst seit dem Gleichnis vom barmherzigen Samariter wissen wir, dass die Nächstenliebe etwas ist, um das uns Gott bittet. Und Nächstenliebe - auch das lehrt uns dieses Gleichnis - ist sehr konkret. Mutter Teresa wurde nicht müde, uns darauf hinzuweisen, dass unsere Sorge nicht nur den Armen in fernen Ländern gelten soll, sondern auch und vor allem, denen, die unter anderen Armutserscheinungen der "zivilisierten" Welt leiden: den Einsamen, Alten, Ausgegrenzten, den ungewollt Schwangeren.

Und wie keine andere lebte diese kleine Heilige auch vor, dass sich die Nächstenliebe nicht zuerst bzw. ausschließlich in guten Gaben materialisiert, sondern sich in einer echten Beziehung zu den Menschen verwirklicht: im Anschauen, im Zuhören, im Sich-Zeit-Nehmen, in einer tröstenden Berührung.

In der Enzyklika "Deus Caritas est" schreibt Benedikt XVI.:
Nur meine Bereitschaft, auf den Nächsten zuzugehen, ihm Liebe zu erweisen, macht mich auch fühlsam Gott gegenüber. Nur der Dienst am Nächsten öffnet mir die Augen dafür, was Gott für mich tut und wie er mich liebt. (DCE 18)
Hier wird deutlich, dass die Nächstenliebe unverzichtbar ist, wenn es darum geht, eine Beziehung mit Gott zu leben. Im Gegenteil. Sie wird hier als ein sicherer Weg zu Gott bzw. der Gotteserkenntnis beschrieben.
Herr, öffne heute meine Augen, wo du mir heute im Nächsten begegnen willst!

Sonntag, 18. Dezember 2011

18. Tür: Gemeinschaft

"Wer glaubt, ist  nie allein", so lautete der Titel des Besuches von Papst Benedikt XVI. in Bayern 2006. Und er drückt Wahres aus. Weder der Mensch an sich noch der Christ im Speziellen ist ein Einzelwesen. Glaubens-Gemeinschaft mit anderen trägt, bestärkt, ermutigt - und fordert auch heraus. Man reibt sich mitunter an den Grenzen anderer - und auch an den eigenen, die schneller bemerkbar sind durch den Umgang mit anderen Menschen. Aber eine solche "Reibung" bringt mich ja ganz oft auch geistlich weiter. 

Und durchaus häufiger als diese Herausforderungen sind die Momente, in denen die Gemeinschaft der Glaubenden, die da in der Kirche versammelt sind, zur Hilfe wird. Zum einen ist die Gemeinschaft derer, die vor mir geglaubt haben, gewissermaßen Pate meines eigenen Glaubens. 

Zum anderen erfahre ich diejenigen, die ich jetzt und heute in der Kirche (und auch im Rahmen meiner Neuen geistlichen Gemeinschaft) antreffe, oft als Stütze. Ich kann auf ihr Gebet zählen, wenn ich es brauche - umso mehr, wenn ich selbst nicht in der Lage dazu bin. Ihr gelebtes Zeugnis ist mir Ansporn für die eigene Glaubenspraxis. Ihre Erwartungen an mich als gottgeweihte Schwester sind mir Ermutigung zu einer immer größeren Hingabe. Das Unterwegssein mit so vielen "Geschwistern" unterschiedlicher sozialer und auch kultureller Hintergründe ist spannend und lässt mich auch die Liebe Gottes immer tiefer verstehen. Der geistliche Austausch mit ihnen öffnet neue Horizonte und verlockt mich, neues zu wagen. 

Am schönsten aber ist es, gemeinsam gesendet zu sein, gemeinsam "auf Mission" zu sein. Allein kann ich zwar viele schöne Ideen haben, aber nur weniges werde ich dann umsetzen können. Aber im gemeinsamen Engagement kann schon ein kleiner Einsatz jedes einzelnen viele Früchte tragen. Und so brauche ich die Gemeinschaft mit den anderen Glaubenden, um meiner eigenen Berufung gerecht zu werden. Wie schön ist es doch, aufeinander angewiesen zu sein und miteinander auf dem Weg zu sein.

Samstag, 17. Dezember 2011

17. Tür: Der Gehorsam

Einmal schon haben wir ein Türchen zu einem der evangelischen Räte (zur Armut) geöffnet. Hier nun ein weiteres: der Gehorsam. Das ist nicht nur etwas für die gottgeweihten "Profis". Den Gehorsam kann man - natürlich auf die je konkrete Situation abgestimmt - in jedem Lebensstand leben.

Zunächst einmal möchte ich mit einem falschen Verständnis aufräumen: Beim Gehorsam geht es nicht darum, fremdgesteuert irgendwelchen Befehlen zu folgen. Im Gegenteil. Gehorsam setzt Freiheit voraus. Es ist eine aktive Entscheidung, eine Wahl, die ich in Freiheit und Verantwortung treffe. Es geht im letzten darum, sich auf den Willen Gottes einzulassen. Und das hat gegebenenfalls das Loslassen von eigenen Plänen zur Voraussetzung. Dass ich mich wiederum überhaupt auf den Willen Gottes einlassen will, ist wiederum eine logische Folge davon, dass ich Gott vertraue. 

Gehorsam hat verschiedene Ebenen. 
Der Gehorsam gegenüber Gott ist natürlich gefragt bei den großen Lebensentscheidungen. Im Ausloten meiner eigenen Sehnsüchte, im Hinhalten vor Gott und Loslassen derselben, im offenen Dialog mit meiner geistlichen Begleitung, im realistischen Blick auf meine Situation, im Gebet und im betenden Hören suche ich zu ergründen, worin der Wille Gottes für mich (und ggf. für meine Familie) besteht, entscheide ich mich in aller Freiheit dafür - und bitte ihn um die Kraft, dem Erkannten folgen zu können. 

Vor so großen und gewichtigen Lebensentscheidungen steht man nun doch nur eher selten.Im Alltag ist daher ganz oft der Gehorsam im Kleinen gefragt, mit anderen Worten die Treue zu der einmal getroffenen Grundentscheidung, die sich in vielen kleinen Gehorsamsakten manifestiert. Treue zum gewählten Lebensstand - mit allen Konsequenzen: zum Partner, Ja zu den Kindern, zu meiner Verantwortung für die Familie und auf Arbeit. Als gläubiger Christ (im Rahmen dessen, was in der je eigenen Lebenssituation angemessen ist): Treue zum Gebet, zu Zeiten der Stille, zur Bibellesung, zum Leben aus den Sakramenten etc. Als gottgeweihte Person: Treue gegenüber den Regeln, der gemeinschaftlichen Spiritualität, der Sehnsucht nach Heiligkeit. Besonders in diesem Rahmen befähigt der Gehorsam auch zum Leben in Gemeinschaft. Man muss sich an gewisse Regelungen halten, man kann nicht einfach nur „sein Ding“ durchziehen. Verzicht (Armut) auf eigene Vorstellungen (bspw. von Ordnung, Pünktlichkeit, Esskultur, Kommunikation) gehört dazu. 

Diese Tür mag manchen sperrig vorkommen, weil Gehorsam heute eine Eigenschaft ist, die nicht als besonders populär oder souverän gilt. Und doch - richtig verstandener Gehorsam öffnet die Tür für Gott. Also: Gehorsams-Tür auf!

Freitag, 16. Dezember 2011

16. Tür: Beichte

Jetzt werden sich vielleicht einige denken: "Klar, die Tür musste ja irgendwann noch kommen. Jetzt wird sie so richtig moralisch." Die Beichte ist ein Sakrament, das ent-deckt werden will. Bei mir war's zumindest so. (Der Neustart nach mehrjähriger Beichtpause geschah genau an einem 16. Dezember. Mithin hat die Wahl dieses Datums für diese Tür einen persönlichen Bezug.) 

Die Beichte ist ein Ort der "Offenheit des Herzens" par excellence. Adrienne von Speyer gebrauchte den Begriff der "Beichthaltung Jesu", was man wohl so verstehen kann, dass er nichts vor dem Vater verborgen hat und ihm gegenüber ganz offen war. In der Beichte lass ich es zu, dass Gott auch in die Kammern meines Innern kommt, die nicht so blank geputzt sind. Ich halte ihm hin, was falsch, lieblos, eigensüchtig etc. ist. Da mag es einem manchmal die Scham ins Gesicht treiben. Aber vor allem ist es ein Hinhalten voller Hoffnung und Vertrauen. Er will mich ja rein waschen und heilen. Und er verurteilt mich nicht. Das weiß ich ja schon vorher. Und das nimmt dann auch die Angst und Befangenheit. Im Gegenteil. Er nimmt mir die Last meiner Schuld von den Schultern und schenkt mir eine neue Freiheit. Und auch wenn ich immer wieder dieses Sakrament nötig habe, weil ich eben nie ganz raus komme aus der Sünde, sehe ich doch, dass sich hier und da Dinge zum Positiven entwickeln, dass sich Dinge lösen, dass eine größere Freiheit und Gelassenheit geschenkt ist.

Normalerweise versetzt mich daher der Eintrag in meinem Terminkalender "Beichte" in eine freudige Grundstimmung. Das war nicht immer so. Es hat sich vielmehr entwickelt. Ich bin dankbar dafür, dass Gott uns diese Tür anbietet, durch die er zu uns kommen will und kann.

Donnerstag, 15. Dezember 2011

15. Tür: Fasten

Das Fasten ist ein Thema, dass mich weder als Pfarrhaushälterin noch als private Person oft betrifft. Der Verzicht auf Speisen ist bei mir keine geläufige Übung. Mehr Bezug habe ich zum Fasten der anderen Sinne (Musik, Unterhaltung, Internet). Aber nur, weil ich das nicht oft praktiziere, heißt das nicht, dass es sich nicht lohnt, darüber nachzudenken. Im Gegenteil. Der Verzicht auf etwas so Konkretes ist hin und wieder heilsam. Er lehrt mich, die Prioritäten meines Lebens zu überdenken. Das Fasten hilft mir, mich von manchem zu lösen, was nicht so wesentlich ist. Es lehrt die Selbstbeherrschung, wenn es darum geht, mich nicht von meinen spontanen Gelüsten beeinflussen zu lassen, sondern bewusst zu leben. In der Folge werde ich sensibler, empfindsamer. Eindrücke - gerade auch geistliche - können tiefer sinken. Und so bin ich ganz automatisch offener auch für Gott. Das, was er mir sagen oder zeigen will, gewinnt an Kraft.

Mittwoch, 14. Dezember 2011

14. Tür: geistliche Lektüre

Der Geist braucht Nahrung, auch und gerade im Bereich des Religiösen. Für das Gebet, das eigene geistliche Wachstum, aber auch für Situationen, in denen man anderen etwas weitergeben kann - geistliche Gespräche oder auch bei lockereren Situationen, bei denen man plötzlich auf "Gott und die Welt" zu sprechen kommt. Denn wie will ich anderen Nahrung geben, wenn ich selbst meinen Geist nicht nähre?

Auf meinem Nachttisch liegen immer mindestens zwei Bücher gleichzeitig - ein weltliches zum Entspannen (vorzugsweise ein Krimi) und ein geistliches. Ich gebe zu, dass ich in der Zeit, die ich für ein geistliches Buch brauche, mindestens fünf weltliche Bücher lese. Das liegt zum einen durchaus daran, dass ich der geistlichen Lektüre weniger Zeit widme. Zum anderen begründet es sich aber auch darin, dass ich die "fromme" Literatur nicht so nebenbei und schnell "verzehren" kann. In der Fastenzeit habe ich es mir manchmal zur Angewohnheit gemacht, ein Kapitel am Morgen zu lesen - und am Abend erneut, um es so tiefer "einsinken" zu lassen. 

Hier eine Auswahl meiner persönlichen Favoriten: 
  • Carlo Carretto: Wo der Dornbusch brennt sowie
    Denn du bist mein Vater
  • Franz von Sales: Philothea
  • Maria Calasanz Ziesche: Die leeren Hände sowie
    Die letzte Freiheit
  • Aufrichtige Erzählungen eines russischen Pilgers
Das Lesen geistlicher Texte kann zur Tür werden, durch die Gott mich besuchen kommt.

Dienstag, 13. Dezember 2011

13. Tür: Sehen

Sehen hat viele Aspekte. In einer Welt der Reizüberflutung sind wir ständig Bildern ausgesetzt - realen Eindrücken und auch "gemachten" Bildern. Täglich kommen wir da leicht auf mehrere Hunderttausend. In einem Marketingbuch las ich, dass ein Mensch 21 Bilder pro Minute verarbeiten kann. Doch welche davon sind es wert, wirklich bewusst wahrgenommen zu werden? Als ich vor sechs Jahren zum ersten Mal Wüstenexerzitien machte, betrachtete ich meine Umwelt die ersten zwei Tage zum Großteil durch die Kameralinse. Ich war fasziniert von dieser Landschaft und wollte die Eindrücke unbedingt festhalten. Dann begriff ich, dass ich auf diese Tour irgendwie am Ziel der Exerzitien vorbei leben würde. Bei den zweiten Wüstenexerzitien hab ich gleich gar keine Kamera mitgenommen. Ich sagte mir, dass sich die wirklich wichtigen Eindrücke (auch die visuellen) ins Herz einprägen würden. Und das hat sich bewahrheitet. Ich habe bei dieser Tour meine Umwelt sehr bewusst wahrgenommen. Mein Sehen gewann an Qualität - bei gleichzeitiger Reduktion der Fülle an Bildern. Vielleicht liebe auch deshalb sosehr den Winter, wenn der Schnee nicht nur die Geräusche dämmt, sondern auch den optischen "Lärm". Und dann wird man wieder offen für die unscheinbaren Eindrücke: ein taubenetztes Spinnennetz oder Rauhreif.

Auch in der Kunst lohnt es sich, bewusst hinzuschauen. In Brüssel hat mich folgendes Bild "umgehauen": Peter Paul Rubens et atelier: La montée au Calvaire

Was mich beeindruckt? Nun, man sieht auf dem Bild eine ganze Menge gleichzeitig. Zahlreiche Traditionen der Heiligen Schrift werden hier in einem einzigen Gemälde zusammengefasst. Die Folge: Ein gewisses Chaos, große Agitation.

Wir sehen:
Maria, gestützt von Johannes, die sich ihrem Sohn zuneigt.
Veronika mit dem Schweißtuch.
Simon von Cyrene, der da mit ganzer Manneskraft zupackt.
Die beiden Schächer: den "guten" und den "bösen"
Die weinenden Frauen.

Und was tut Jesus in all dem, was sich um ihn - und selbst an ihm - abspielt? Er schaut den Betrachter an. klick

Für dich bin ich hier. Du bist mir wichtig.

Ikonen werden in der Ostkirche auch gern als "Fenster zur Ewigkeit" betitelt. Ein zweifaches soll dieser Begriff aussagen: 1. Der Betrachter gewinnt durch die betende Betrachtung einen Blick in die unsichtbare Welt Gottes. 2. Das "Fenster" wirkt auch (und v.a.) andersherum: Der Betrachter lässt sich vom Himmel her anschauen und wird von Gott gesehen.

Das Sehen als Tür bzw. Fenster, durch die Gott zu meinem Herzen vordringen kann.  Ein guter Tag, diese Tür heute zu öffnen.

Montag, 12. Dezember 2011

12. Tür: Die Freude

Es gibt viele Quellen der Freude: der aufmerksame Blick für die Kleinigkeiten im Alltag, das Leben aus der Verbundenheit mit Gott, die Gelegenheiten, bei denen man hin und wieder Früchte des Handelns Gottes (z.B. bei der Mission) sehen kann, die Hingabe für ihn (und die Menschen.)

Am meisten Freude empfinde ich, wenn ich anderen eine Freude machen kann. In meinem Noviziatsjahr war eine Schwester aus einem fernen Land dabei. Sie hatte die Gabe, sich über Kleinigkeiten zu freuen. Doch das Gemeinschaftsleben mit uns Europäern war für sie aufgrund der verschiedenen Mentalität mitunter schwierig. Gegen Ende des Jahres hatte sie Geburtstag und ich entfaltete einen regelrechten "Schlachtplan" von Gesten, Unternehmungen, kleinen Gaben etc., mit der wir ihr etwas Gutes tun konnten. Schnell waren die anderen mit von der Partie und es kamen noch viele andere gute Ideen hinzu. Allein die Vorbereitung dafür hat mich froh gemacht. Ich wusste einfach, dass es ein glücklicher Tag für diese Mitschwester werden würde. Ich selbst habe diesen Tag dann gar nicht miterleben können, denn ich musste über Nacht ins Krankenhaus. Doch als sie mich am Abend alle besuchten, da strahlte die Beschenkte immer noch aus jedem Knopfloch und sagte, dass es der schönste Geburtstag ihres Lebens gewesen sei. Dieser Augenblick war für mich einer der schönsten des ganzen Jahres (obwohl ich es hasse, im Krankenhaus an Infusionen zu hängen). Eine recht paradoxe Erfahrung.

Die Freude öffnet die Tür für Gott, denn sie ist in der Regel verknüpft mit einer Haltung der Aufmerksamkeit und Dankbarkeit gegenüber Gott sowie mit der Haltung der Hingabe. Freude empfängt man, wenn man sich verschenkt. Wenn die Freude einmal als Grundtenor da ist, dann können selbst durchaus vorhandene Sorgen und Erschütterungen diese im tiefsten nicht zerstören. Der Grund für eine solch grundlegende bzw. grundgelegte Freude liegt für mich im Wissen um meine Erlösung. Also: Tür auf die für die Freude!

Sonntag, 11. Dezember 2011

11. Tür: Die Eucharistie

Täglich feiert die Kirche die Eucharistie (Hl. Messe). Am Sonntag, dem Tag der Auferstehung, sind die Gläubigen in besonderer Weise eingeladen, daran teilzunehmen. In der Eucharistiefeier vergegenwärtigt sich in geheimnisvoller Weise die Hingabe Jesu, sein Opfer, für uns. Diese Botschaft ist das Zentrum des Christentums. Jesus hat für uns den Tod auf sich genommen und ihn besiegt. In jeder Teilnahme an einer Eucharistiefeier bejahe ich diese Hingabe und akzeptiere es, dass Jesus dies auch für mich getan hat. 

Wenn der Priester die Wandlungsworte spricht, dann weiß ich: Jesus ist hier, ganz und gar leibhaftig gegenwärtig. Ich kann ihn anschauen und empfangen. Um für diesen Moment gut vorbereitet zu sein, führt die Liturgie die Gläubigen mit Gebeten und durch die Heilige Schrift dahin. Wer daher eine Hl. Messe mit wachem Herzen mitfeiert, der ist offen für die Begegnung mit Gott. Als ich anfing, täglich in die Hl. Messe zu gehen, war es mir besonders bewusst, dass dies der Höhepunkt eines jeden Tages ist.

Heute will ich ihm diese Tür öffnen.

Samstag, 10. Dezember 2011

Einen Blick hinter Klostermauern

... gewährt uns Klosterküken auf ihrem Blog "Mit Jesus hinter Klostermauern.". Die Autorin veröffentlich hier nach und nach ihre Eindrücke und Erfahrungen, die sie während ihres (schon abgeschlossenen) Noviziats gemacht hat. Schöne, stimmungsvolle Fotos und ein interessanter Blick hinter die Klostermauern.

Herzlich willkommen im Reich der bloggenden Katholiken!

10. Tür: Das Wort Gottes II - Lectio Divina

Denn lebendig ist das Wort Gottes, kraftvoll und schärfer als jedes zweischneidige Schwert; es dringt durch bis zur Scheidung von Seele und Geist, von Gelenk und Mark; es richtet über die Regungen und Gedanken des Herzens; vor ihm bleibt kein Geschöpf verborgen, sondern alles liegt nackt und bloß vor den Augen dessen, dem wir Rechenschaft schulden. Hebr 4,12-13
Starke Worte findet der Verfasser des Hebräerbriefes da. Er spricht dem Wort Gottes eine große Macht zu. Grund genug für mich, eine weitere Adventstür dem Thema zu widmen. Diesmal soll es etwas praktischer zugehen.

Heute möchte ich eine ganz konkrete Form der Begegnung mit dem Wort Gottes vorstellen: Die Lectio Divina. "Erfunden" wurde sie - so hörte ich - vom Hl. Bruno, dem Gründer der Kartäuser. (Im Film "Die große Stille" sieht man die Mönche in ihren Zellen immer wieder genau das tun.) Pater Jean Beyer SJ hat im letzten Jahrhundert diese Form auch für Laien zugänglich gemacht. Kennen gelernt habe ich die Lectio Divina in Form von mehrtägigen Exerzitien. Später lernte ich dann auch, sie im Alltag zu schätzen. Und so kann es gehen:

Die erste Frage ist natürlich schon der Zeitrahmen. Eine halbe Stunde ist gut, eine Stunde besser. Weniger kann ich mir nur schlecht vorstellen. Ob täglich, mehrfach in der Woche oder wöchentlich, auch das ist eine Frage, die man sehr individuell entscheiden muss. Am besten spricht man so etwas mit seiner geistlichen Begleitung ab.

Dann der Ort: Idealerweise im Zimmer an einem Tisch, auf dem nichts anderes als die Hl. Schrift liegt, vielleicht noch eine Kerze steht - normalerweise aber nichtmal eine Ikone oder so. Ein eigener Lectio-Tisch eignet sich für jene, die auf dem Schreibtisch immer ein gewisses Grundchaos haben (wie es auch bei  mir stets der Fall ist.) Bei diesem achte ich darauf, nie irgend etwas nur so darauf abzulegen oder abzustellen. - Eine Hilfe für mich, die Bedeutung dieses Platzes als Ort der Gottesbegegnung wachzuhalten.

Dann die Bibelausgabe. Möglichst eine ohne große Kommentare. Und in einer Sprache, die sich gut liest. Es geht um den Text, nicht um exegetische Feinheiten. Vor allem aber auch mit einer Schriftgröße, die nicht ermüdet.

Nun zum Inhalt. Texte: Entweder ich nehme mir ein bestimmtes Buch der Bibel vor (ein Evangelium z.B.). Da ist es sinnvoll, sich vorher klar zu machen, wie viel man durchnimmt - es empfiehlt sich ein Kapitel (30 Verse, so über den Daumen gepeilt.) Oder man hat eine Auswahl von Texten, die jemand mit Klugheit zusammen gestellt hat. (Von besagtem Jean Beyer SJ gibt es einige thematische Zusammenstellungen). Oder eben die Tageslesungen. Kommentare haben bei der Lectio nichts zu suchen.

Und dann das Vorgehen. Man spricht von einer regelrechten "Liturgie der Lectio". Das A und O ist das Gebet. Ich beginne mit dem Kreuzzeichen und bitte dann ganz konkret den Hl. Geist, mich zu leiten und mir zu Hilfe zu kommen. Es kann hilfreich sein, die Präsenz Gottes in seinem Wort zu ehren (durch einen Kuss der Bibel oder eine Verneigung vor selbiger.) Naja, und dann kommt halt die Lectio - mit den Schritten lectio, meditatio, oratio und contemplatio. Ich persönlich hab oft Schwierigkeiten, diese Schritte so konsequent zu machen bzw. überhaupt in sie hinein zu kommen. Das darf so sein. Ziel ist es ja, durch diese Form des Gebets in einen Dialog mit Gott zu kommen. Manchmal ist es nur ein Verweilen bei einem einzelnen Wort oder Vers. Manchmal führt mich das in eine Richtung, an die ich vorher gar nicht gedacht habe. Und manchmal hab ich das Gefühl, dass heute gar nichts geht - und lese einfach nur brav Vers für Vers - immer wieder. Den Abschluss bilden wieder ein Gebet, eine Verehrung der Hl. Schrift, ein Kreuzzeichen. Manchmal schreib ich nachher noch auf, was mich bewegt hat.

Die Frucht? Das Wort Gottes wirkt. Manchmal weiß ich nicht, wie. Aber mehr als einmal hatte ich aus heiterem Himmel eine besonde Gnade erhalten, die ich auf die Lectio Divina zurückführe: Ein Bibelwort, das mich wochen- und monatelang trägt, eine Angst, die mir genommen wird, eine Freude, die geschenkt wird.
Öffnen wir heute die Tür des Gebets mit dem Wort Gottes.


Freitag, 9. Dezember 2011

9. Tür: geistliche Begleitung

Die geistliche Begleitung ist ein Ort, an dem man die Offenheit des Herzens gut einüben kann. Gemeinsam mit meiner Begleiterin (einer mehrfachen Großmutter) schaue ich regelmäßig auf den Weg, den ich mit Gott gehe. Es liegt an mir, was ich in diesem Rahmen anspreche - und mit welchen Details. Nach ca. neun Jahren Erfahrung damit kann ich nur sagen, dass die Begleitung umso fruchtbarer ist, je offener ich bin. 

Ich lasse den Blick von außen zu - auf mich und meine konkrete Situation, auf meinen ganz normalen Alltag, auf die geistlichen Herausforderungen und Kämpfe. Dann wird sichtbar, wo etwas gewachsen ist und wo sich vielleicht auch falsche Bilder eingeschlichen haben. Gemeinsam mit meiner Begleiterin kann ich danken für das, was Gott in meinem Leben tut. Vor wichtigen Entscheidungen ist es eine große Hilfe, alle Motive mit ihr durchzusprechen. Sie wird mir die Entscheidung nicht abnehmen. Aber sie wird alles im Gebet begleiten und mir helfen, die Dinge gut zu sortieren - vor Gott und mit Gott. 

Dabei weiß ich, dass sie nicht zuerst auf sich selbst und ihre Erfahrungen baut, sondern auf Gott, auf den Heiligen Geist. ER ist es, der mich führt, unter seinen Blick stelle ich mich. Danke, guter Gott für die Tür der geistlichen Begleitung, die ich heute öffnen will.


Donnerstag, 8. Dezember 2011

8. Tür: Begegnung

Am heutigen Hochfest möchte ich den Blick auf eine wichtige Begegnung im Leben Marias lenken. (Auch wenn ich weiß, dass das heutige Fest nicht jenes ist, dass das Bild darstellt.)

Das Bild zeigt ein Kirchenfenster in Taizé und stellt den Besuch Marias bei Elisabet dar. Wenn man genau hinsieht, dann sieht man, dass sich nicht nur die Mütter begegnen, sondern auch die Kinder. "Als Elisabet den Gruß Marias hörte, hüpfte das Kind in ihrem Leib", heißt es in Lk 1,41a. Das Bild zeigt hier, dass Johannes Jesus auf Knien begegnet, ihn also anbetet. Der Ausdruck "hüpfen" lässt erahnen, dass da Freude mit ihm Spiel ist. Sein Herz ist schon bereit für die Begegnung mit Gott.

Auch Elisabet wird beschenkt. Die Begegnung mit Maria macht sie empfänglich für den Heiligen Geist. ("Da wurde Elisabet vom Heiligen Geist erfüllt." Lk 1,41b). Diese Begegnung führt Maria in das große Lob des himmlischen Vaters. Im "Magnificat" preist sie sein wunderbares Handeln an ihr und seinem Volk. 

Die Begegnung mit anderen Menschen - Freunden und Bekannten - kann zu einem Ort der Gotteserfahrung werden. Dann nämlich, wenn man gemeinsam das wunderbare Handeln Gottes in den Blick nimmt. Das führt in die Hoffnung und stärkt die eigene Sehnsucht (5. Tür). 

Bitten wir Gott, dass er es uns in den Begegnungen des heutigen Tages ermöglicht, uns für ihn zu öffnen.

Mittwoch, 7. Dezember 2011

7. Tür: Der Geist der Kindschaft

Hier sieht der geneigte Leser ein Bild von mir. Ich staune gerade meinen Papa an, der sich aus Spaß eine ziemlich alberne Mütze aufgesetzt hat. Der Blick auf den Vater ist eines der Wesensmerkmale, wenn jemand im "Geist der Kindschaft" lebt. Die hl. Therese von Lisieux ist diesbzüglich ja eine große Lehrmeisterin. Ein Kind erwartet alles vom Vater und von der Mutter. Es vertraut ihnen voll und ganz, sucht bei ihnen Sicherheit und Geborgenheit, Nahrung, Halt, Wegweisung und Ermutigung.

Umgekehrt - so schildert es die hl. Therese - bewegt dieses ungebrochene Vertrauen des Kindes den himmlischen Vater, seinen Wünschen entgegen zu kommen. Wer kann den bittenden Augen eines Kindes widerstehen? Oder wer würde nicht alles daran setzen, seinem Kind eine Freude zu bereiten?

Sich als Erwachsener als Kind vor Gott zu sehen, ist für manchen eine Hürde. Leben im Geist der Kindschaft heißt nicht, sein Licht unter den Scheffel zu stellen. Es heißt zu wissen, dass man sich dem himmlischen Vater verdankt und dass man ihm voll und ganz vertrauen kann. Dass er sich für alles interessiert, was mich betrifft - nicht nur für die großen Lebensprojekte, sondern auch für die alltäglichen Freuden, Fragen und Sorgen. Ich muss mich nicht selber abmühen, sondern kann auf seine Hilfe bauen. Die hl. Therese gebraucht das Bild der Treppe. Wenn ein kleines Kind mühsam Stufe für Stufe heraufklettert, so kann es auch die Arme zum Vater hochrecken - und er wird es hinauftragen. Das ist leichter, schneller und sicherer. Und ER macht es gern.

"Wenn ihr nicht umkehrt und wie die Kinder werdet, könnt ihr nicht in das Himmelreich kommen" heißt es in Mt 18,3. Es ist zweifellos eine Umkehr, vor Gott zum Kind zu werden. Eine heilsame und entlastende Umkehr. Öffnen wir ihm diese Tür.

Dienstag, 6. Dezember 2011

kurze Werbeunterbrechung

... für den Nikolaus, das Tagesevangelium und die Adventsclips der ESM Altötting


6. Tür: Armut

Armut hat viele Aspekte. Zuerst denken viele an die materielle Armut - und das erscheint wenig erstrebenswert. Auch mit der geistigen Armut mag man sich eher selten anfreunden. Wer will schon zugeben, dass er Dinge nicht durchschaut oder nicht im Griff hat? 

Armut ist einer der evangelischen Räte und mir daher besonders präsent. Armut oder auch Einfachheit - geistige ebenso wie die materielle - macht frei. Die materielle Armut befreit mich von der ständigen Sorge um Dinge, die mir teuer sind. Sie führt mich ganz konkret hinein in das Vertrauen in die Fürsorge Gottes. Sie macht mich frei von Statusdenken. 
Inwieweit man tatsächlich die materielle Armut anstreben sollte, hängt natürlich vom Lebensstand und von den eigenen Verantwortungen ab. Auch wer nur wenig hat, kann sein Herz an Dingen festmachen. Und manch einer, der über reichen Besitz verfügt, ist innerlich bemerkenswert frei.

Wichtig ist daher auch die geistige Dimension der Armut. Denn arm sein kann man auch, wenn man darauf verzichtet, immer alle Dinge in der Hand zu haben, die eigenen Pläne durchzusetzen oder wenn man lernt, seine eigenen Grenzen und Schwächen zu akzeptieren. Wenn man bereit ist loszulassen – von Dingen, Personen und schließlich auch von sich selbst, dann wird man bereit, sich Gott immer mehr anzuvertrauen. Dann wird man bereit, auf ihn zu hören. Dann vertraut man nicht mehr zuerst auf sich selbst, sondern erwartet alles von Gott. In diesem Sinn ist die Armut auch eng verknüpft mit der Demut, die sich darin verwirklicht, die eigenen Grenzen anzunehmen und dennoch nicht zu resignieren oder sich gar selbst zu verachten. 

Die wirklich angenommene Armut ist daher eine Tür, durch die Gott sehr leicht bei einem Menschen einkehren kann. So will ich also am Tag des Hl. Nikolaus die Tür der Armut öffnen.

Montag, 5. Dezember 2011

5. Tür: Die Sehnsucht

"Sucht ihr mich, so findet ihr mich." heißt es in Jer 29,13. "Bittet, dann wird euch gegeben; sucht, dann werdet ihr finden; klopft an, dann wird euch geöffnet." schreibt Mt 7,7. 
Immer wieder ermutigt uns die Heilige Schrift, viel von Gott zu erwarten und zu ersehnen. Er will uns viel schenken, aber er wartet darauf, dass wir ihm unsere Sehnsucht mitteilen. Möglicherweise können wir diese Sehnsucht schon in konkrete Worte fassen. Oder aber wir sind noch sehr auf der Suche (nach Antworten, nach der Wahrheit, nach Sicherheit ...). Es ist die Sehnsucht Gottes, unsere Sehnsüchte zu erfüllen, unser Suchen zu beantworten. 
Alles, was unsererseits zu tun ist, ist es, das eigene Sehnen und Suchen wahrzunehmen und ganz einfach Gott hinzuhalten. Wie oft schon konnte ich staunen über die Großzügigkeit, mit der Gott antwortet.

Was ist deine Sehnsucht? Was oder wen suchst du? Öffnen wir Gott die Tür unserer Sehnsucht.

Sonntag, 4. Dezember 2011

4. Tür: Das Wort Gottes I

Kürzlich erhielt ich eine Abbildung des Mosaiks "Die Verkündigung" von P. Marko Rupnik SJ, das man hier (wenn auch nur sehr klein) sehen kann. Maria bleibt zurück und hält das Wort Gottes (die Torah-Rolle) im Arm. Sie umarmt es, liebkost es und versenkt sich regelrecht hinein.

Das Wort Gottes ist eine Tür, durch die Gott ganz konkret in mein Leben eintreten kann. Es ist gut, sich regelmäßig dem Wort Gottes auszusetzen. Ob mit Bibelleseplan, den Tageslesungen, den Lesungen aus dem Stundengebet oder im charismatischen Bibelaufschlagen. Egal, welcher Methode ich folge. Ich kann mich fragen, von welchem Wort ich heute lebe. Welches Wort trägt mich durch den Tag? Das kann jeden Tag ein neues Wort sein. Oder auch jahrelang dasselbe. Entscheidend ist, dass ich wirklich mit diesem Wort lebe, dass ich es fruchtbar mache für den Tag, dass ich mich davon tragen lasse. Dabei ist es keine Voraussetzung, dass ich alles verstehe. In der Bibel wird Maria immer als die geschildert, die "alles in ihrem Herzen bewahrte". Sie hat nicht immer verstanden, aber sie hat es in ihr Herz gelassen. Und dort wirkt es, reinigt, heilt, baut auf, ermutigt, tröstet ...

Heute öffne ich die Tür für das Wort Gottes.

Samstag, 3. Dezember 2011

3. Tür: Gebet

Mutter Teresas Wort aufgreifend, möchte ich mich der ersten Frucht der Stille zuwenden: dem Gebet. Das Gebet ist der Ort der Gottesbegegnung par excellence. Es gibt viele Arten des Gebets. Die Anbetung liegt mir am Herzen. Den Lobpreis lebe ich täglich. Stoßgebete begleiten mich ständig. Aber auch stärker "ritualisierte" Gebete wie der Rosenkranz führen mich zu Gott. 

Mutter Teresa sagt "Die Frucht des Gebetes ist der Glaube". Das ist stark. Der Glaube ist keine Voraussetzung für das Gebet. Ich kann mit Gott reden, selbst wenn mein Glaube schwach ist oder ich meine, gar nicht zu glauben. Er hört mir zu und er wird mir begegnen.

Im Gebet trete ich vor Gott, so wie ich bin. Ich muss nichts leisten, ihn nicht unterhalten. Ich schütte ihm mein Herz aus - die Freuden und die Sorgen, ich schaue auf ihn und höre auf ihn. Ich bin einfach nur da vor ihm. Ich bin mit ihm. In kindlichem Vertrauen löse ich den Blick von mir selbst und höre in der Stille, wozu Gott mich heute einlädt.

Heute öffne ich die Tür des Gebets.

Freitag, 2. Dezember 2011

2. Tür: Die Stille

Wer die Stille liebt, wird fühlsam für Gott und sein Wort. Stille ist nicht einfach nur Schweigen oder Abwesenheit von Lärm. Um in die Stille einzutreten, bedarf es in der Regel einiger Arbeit. Allem voran geht die Entscheidung für die Stille. Wenn es mir ernst damit ist, werde ich Oasen der Stille suchen. Je nach Lebensstand und persönlicher Situation wird sich dies anders gestalten. Ich als geweihte Schwester lebe es so: 
  • Täglich eine gewisse Zeit (mindestens eine Stunde), die in der Regel der stillen Anbetung gewidmet ist
  • Einmal im Monat einen Tag (der so genannte "Wüstentag"): Ich widme einen Tag pro Monat ausschließlich der "Intimität mit Gott". An diesem Tag bleibt der PC aus, nehme ich kein weltliches Buch in die Hand, höre keine Musik, gehe nicht ans Telefon und mache auch keine Hausarbeit oder sonstige Dinge, die zu erledigen wären. Ich verbringe viel Zeit im Gebet, widme mich geistlicher Lektüre und Betrachtung, mache einen Spaziergang etc.
  • Einmal im Jahr eine Woche Exerzitien. Nach Möglichkeit Schweigeexerzitien. Zweimal war ich schon in der Wüste. Da ist die Stille eine unglaublich intensive Erfahrung. So still wie in der Wüste ist es sonst wohl kaum noch an einem Ort. Ein großes Einfalltor für Gott, das kann ich bezeugen.
Dazu kommt bei mir eine gewisse natürliche Sparsamkeit, was Musik oder sonstige Unterhaltungsmedien angeht. Es kann auch bedeuten, dass man bspw. im Advent nicht auf jeder Weihnachtsfeier mitmacht, die da möglich wäre. Sich dem "Besinnungsstress" entziehen und wirklich zur Ruhe kommen, das ist eine Kunst für sich. Nicht selten muss man um diese Oasen kämpfen, aber sie sind es wert. Eine solche Stille ist sehr fruchtbar. Berühmt ist Mutter Teresas Wort: "Die Frucht der Stille ist das Gebet. Die Frucht des Gebetes ist der Glaube. Die Frucht des Glaubens ist die Liebe. Die Frucht der Liebe ist das Dienen. Die Frucht des Dienens ist der Friede."

Heute öffne ich der Stille die Tür.

Donnerstag, 1. Dezember 2011

1. Tür: Der Heilige Geist

Der Heilige Geist ist DER Türöffner schlechthin. Mit ihm fing alles an. Er "kam über Maria", wie es am Beginn des Lukasevangeliums heißt. Und so konnte Gott Mensch werden. Maria nahm Gott in sich auf, weil sie den Heiligen Geist wirken ließ. Das Johannesevangelium spricht vom "Geist der Wahrheit" (Joh 16,13), der uns leiten wird. Er wird in uns beten, er wird uns in der Einheit mit Gott bewahren (Joh 14,26). 

Also eigentlich eine unverzichtbare Stütze für den Weg mit Gott. Und doch ist der Heilige Geist vielen nach wie vor fremd und verborgen. Es hat etwas schwer Greifbares, sich ihm zu überlassen. Er ist nicht messbar - und mitunter auch schwer zu unterscheiden vom eigenen Geist. Das Leben mit dem Heiligen Geist ist noch realer als 3D-Kino. Das, was man so erlebt, erhält plötzlich eine andere Dimension, es gewinnt an Tiefe und ich werde aufmerksamer für das Wirken Gottes in meinem eigenen Leben.

Aus eigener Erfahrung möchte ich sagen: Der Heilige Geist ist jemand, den man kennenlernt, indem man ihn einlädt. Und Einladungen kann man in vielen Situationen aussprechen. Hier nur einige Beispiele: 
  • Zu Beginn einer Gebetszeit, damit er mein Herz in der Gegenwart Gottes hält und mir hilft, in der rechten Weise zu beten.
  • In heiklen Situationen im täglichen Leben. Ein kurzes Stoßgebet um Erleuchtung hat schon oft geholfen: bei Sitzungen, vor Prüfungen, in schwierigen Gesprächen.
  • Wenn es darum geht, die richtige Entscheidung zu treffen.
  • Wenn man Trost braucht. Man kann für sich selber um den Trost des Heiligen Geistes bitten, aber auch für andere.
  • Um Gott tiefer kennenzulernen, um den Glauben besser zu verstehen. 
So möchte ich mich für den Beginn der Adventszeit erneut entscheiden, den Heiligen Geist einzuladen. So möchte ich ihm die Tür öffnen.