Donnerstag, 10. Dezember 2015

Bayrisch-sächsischer Blog

Als in Sachsen Geborene und seit einigen Jahren in Bayern Lebende find ich den Bayern-und-Sachsen-Blog von Cordulchen ja sehr amüsant. Des ein oder anderen ergänzenden Kommentars konnt ich mich nicht enthalten. Ob ich nun zum Gegenschlag ausholen und einen "Ein-Sachse-in-Bayern-Blog" einrichte, lass ich zum gegenwärtigen Zeitpunkt allerdins dahin gestellt. Ein eigenes Label ist mir das Thema allerdings wert. Schauen wir mal, was daraus wird.

Donnerstag, 12. November 2015

Zehn Jahre


Wann eigentlich feiert man als Gottgeweihte "Jubiläum"? In den Klöstern feiert man meistens die Profess. Und das macht auch Sinn, denn das ist der Moment, in dem man zum ersten Mal alles verspricht, was so dazu gehört. Und dennoch. Ich bin ja der Meinung, dass - im Nachhinein betrachtet - der erste Tag auf diesem Weg der entscheidende ist, denn da fing nun mal alles an. Also darf ich wohl doch heute mein erstes Jubiläum feiern.

Bild von einem Treffen aller im ersten oder ewigen Versprechen Geweihten. Es fehlen einige aus den ferneren Ländern.
In diesem Sinne: 
Heut vor zehn Jahren war ich ziemlich aufgeregt. Es war ein Samstag. Und an diesem Samstag begann mein Weg im Geweihten Leben offiziell. In einer schlichten Art und Weise hatte mein erster Schritt - der in die sog. "Empfangszeit" - gleich zu Beginn der Messe unseres Gemeinschaftstreffens Platz. Es gab kein äußeres Zeichen, keinen Extra-Segen oder sonstwas. Ich hatte nur vor dem Altar stehend formuliert, dass ich jetzt diesen ersten Schritt mache "im Hinblick auf einen Zölibat um des Himmelreiches willen". Von da an wurde ich zu den Treffen für die Geweihten eingeladen und zählte irgendwie dazu, auch wenn es ganz offiziell eine weitere Zeit der Unterscheidung war. (Vorausgegangen war eine einjährige Unterscheidungszeit, an die sich bei mir noch ein Jahr Wartezeit dranhängte, weil ich in meiner Diasporasituation noch gar nicht so viel von der Gemeinschaft Emmanuel kennen gelernt hatte.)

Am liebsten wär ich ja damals so direkt durchgestartet. Zu wissen, dass das ewige Versprechen frühestens zehn Jahre später kommt, hat mich schier verrückt gemacht. Ich war mir doch ganz sicher ... und im Übrigen dacht ich, dass nach meiner Bekehrung alles so leicht weiter flutschen würde, dass da gar nix mehr in die Quere kommt. Naja, das war ein Irrtum, wenn auch ein verständlicher. Die letzten zehn Jahre waren in vielerlei Hinsicht Lehrjahre - und noch einmal mehr seit meinem ersten (zeitlichen) Versprechen. Meine Güte, ich hab gar nicht geahnt, wie tief der Herrgott da in einem gräbt und was man alles in sich entdeckt, das bisher unter glänzender Oberfläche schlummerte. Und doch: Jeder einzelne Tag war kostbar, sehr sogar. Auch und besonders die Tage, an denen ich mich so unendlich weit weg von Gott fühlte, an denen mir meine Unzulänglichkeit so unleugbar vor Augen stand. Aber genau das waren die Momente, in denen mein Ruf zu Gott am ehrlichsten war ... und in denen ich Ihn ganz neu kennen lernen durfte.

Bis zum Ewigen dauert es noch ein bisschen, die Zielgerade dahin ist im Blick. Aber dass ich damit nicht im Ziel bin, ist auch so eine Erkenntnis, die mir immer deutlicher wird. Es wird ein lebenslanger Weg sein ... das Ziel erwartet mit "drüben".


Donnerstag, 22. Oktober 2015

Johannes Paul II.

Anlässlich des heutigen Tagesheiligen ein paar Bilder von und aus der ihm gewidmeten Kirche nahe dem Heiligtum der Barmherzigkeit Gottes in Lagiewniki (Schwester Faustina). Ein Treffen der Gottgeweihten unserer Gemeinschaft in Krakau hatte uns dahin geführt.

In der Unterkiche findet sich in einer Kapelle
auch die Grabplatte, die einst sein Grab in St. Peter/Rom zierte.

Besonders eindrücklich: Die Soutane vom Tag des Attentats.

Freitag, 11. September 2015

Heidenauer Friedensgebet

Kürzlich hatte ich auf das Ökumenische Friedensgebet in Heidenau hingewiesen, das die Antwort der Kirchen vor Ort auf die gewaltsamen Auseinandersetzungen ist. Hier nun kann man ein paar nette Fotos davon anschauen: Klick.
Die Augenblicke, in denen ich meine Heimatkirche so voll erlebt habe, sind extrem rar. Insofern geben mir diese Bilder doppelten Grund zur Freude.

Dienstag, 8. September 2015

Bischöfliche Abschiedsworte

Heute hat sich Erzbischof Heiner Koch von seinem Bistum Dresden-Meißen verabschiedet. Auf der Homepage des Bistums kann man die komplette Predigt nachlesen. Ich möchte hier einfach ein paar Zitate herausgreifen:
Dass der Mensch in dieser Frage seine Glaubensentscheidung treffen kann, macht seine Größe und seine Würde aus. Zu einer Entscheidung aber kann er bewusst nur kommen, wenn er sich der Alternativen seines Lebens in dieser seiner Glaubensgrundentscheidung bewusst ist. Wie aber soll er von der christlichen Lebensalternative erfahren, wenn niemand von ihr zu ihm spricht, wenn niemand ihm das Evangelium verkündet, die frohe Botschaft vom Sinn seines Lebens in Gott. Ohne unsere Verkündigung ist ihm keine Entscheidung möglich. Deshalb ist es so wichtig, dass wir als Christen die Gottesfrage in Sachsen und Ostthüringen hier und heute nicht verstummen lassen, dass wir sie vielmehr durch unser Leben, durch unser Sein, durch unser Tun und durch unser Reden immer wieder präsent werden lassen für alle Menschen und dadurch vielleicht manche aufrütteln. Eine Kirche, die niemanden aufrüttelt, ist überflüssig wie ein Feuerwerkskörper, der nie gezündet wird.
Jedem Menschen ruft das Evangelium zu: Du bist wichtig, du bist groß. Unter den 107 Milliarden Menschen, die bisher auf der Erde gelebt haben, bist du ganz einmalig mit deiner Stärke, mit deinen Grenzen, mit deiner Macht, mit deiner Ohnmacht. Lebe groß, lebe verantwortlich! Lebe verantwortlich vor Gott, der dir dein Leben geschenkt hat und dem du es wieder geben wirst. Von dieser Botschaft dürfen wir niemandem gegenüber je schweigen. Es kann doch nicht sein, dass in Sachsen ein Mensch stirbt, ohne durch uns mit dieser Frage und dieser Botschaft einladend, herzlich, engagiert und ehrlich konfrontiert zu werden.
Dem gibt es nichts hinzuzufügen.

Hier ist der komplette Text nachlesbar: klick

Freitag, 4. September 2015

Auch das ist Heidenau

Ich habe heute mit meinen Eltern telefoniert (die schon seit fast zwei Jahren nicht  mehr in Heidenau leben). Und die erzählten mir, dass sie gestern der Heidenauer Pfarrer angerufen habe, um voller Freude vom 2. Ökumenischen Friedensgebet zu erzählen, dass diesmal in der kath. Kirche stattgefunden hatte. Rappelvoll war sie. Auch viele Nichtchristen sah man unter den Gästen. Flüchtlinge, die schon etwas länger in Heidenau leben, erzählten von ihrer Flucht und ihrem Leben, von ihren Erfahrungen in Heidenau. Danach gab es Zeit zur Begegnung. Es muss schön gewesen sein. Danke, Heidenau.

Das war den Medien leider keine deutschlandweite Berichterstattung wert. Aber immerhin die Regionalpresse war da. Hier ein Link zum Artikel: Klick

Dienstag, 1. September 2015

Ich komme aus Heidenau

Zugegeben, ich neige zum Lokalpatriotismus. Jetzt, da ich im fernen Bayern lebe, sag ich oft, dass ich aus Dresden komme. Als ich in Dresden studiert und gearbeitet habe, sagte ich, dass ich aus Heidenau komme. Als ich in Heidenau zur Schule ging, sagte ich, dass ich in Dohna lebe. Ja genau, ich bin mit diesem Ort, der seit gut zehn Tagen zum Synonym für Fremdenfeindlichkeit, gescheiterte Ausländerpolitik und rechtsextreme Gewaltbereitschaft geworden ist, verbunden. Ich bin dort zwölf Jahre zur Schule gegangen, 30 Jahre zur Kirche, 24 Jahre zum Zahnarzt, habe jeden Sonntag die Heidenauer Oma besucht und habe schließlich auch fünf Jahre dort gelebt. Als ich vor einer Woche aus den Schweigeexerzitien zurückkehrte, hatte ich Mühe, das Autosteuer ruhig weiterzulenken, als ich im Radio von der Situation hörte. "Das kann doch nicht sein", dachte ich. Es traf mich mitten ins Herz. 
Nein, Heidenau ist sicher nicht der schönste Ort der Welt. Das bedeutendste an diesem kleinen Ort war aus meiner Sicht die geniale Lage (und gute Anbindung) zwischen der wirklich schönen Großstadt Dresden, dem schnuckligen Pirna und der Sächsischen Schweiz. Auch die Lage an der Elbe fand ich immer schon toll. Ansonsten ist der Ort eher reizlos. Aber irgendwie war er doch auch mein Zuhause. 
Nach dem Krieg fand meine Großmutter zusammen mit meinem Vater hier Aufnahme - vertrieben aus den sudetendeutschen Gebieten, genau wie die Familie meiner Mutter, die es in die Lausitz verschlug. Ich bin aufgewachsen mit den Geschichten von Flucht und Vertreibung, Betteln um Brot und Milch, von ungern gewährter Aufnahme im Nachkriegsdeutschland, von bitterer Armut, Depression, auch von Tod. Heidenau war damals ein Ort, an dem meine Großmutter und ihr Sohn nach langer Odyssee einen Platz fanden, wo sie bleiben konnten, an dem sie ihre Zukunft in die Hand nehmen konnten und an dem mein Vater schließlich selbst (wenn auch unter einfachen Bedingungen) eine Familie gründen konnte. Schon seit Beginn der Flüchtlingsströme in diesem Jahr denke ich immer wieder daran, wie sehr die Vertreibung und die Heimatlosigkeit meine Familie geprägt hat und fühle mit den aktuellen Flüchtlingen mit.
Und ich fass es nicht, was jetzt in Heidenau geschieht. Ich frage mich, ob ich was verpasst habe, denn von solchen fremdenfeindlichen Anwandlungen hab ich in all den Jahren nie etwas mitbekommen. Vielleicht hab ich mich einfach in den falschen Kreisen bewegt. Meine Freunde stammten aus der Pfarrei oder aus dem Theologiestudium und der KSG in Dresden. Ein bisschen mehr Nähe zu den Menschen ergab sich bei der Flut 2002, als man plötzlich gemeinsam gegen das Hochwasser kämpfte und einander beistand. Vor acht Jahren hab ich den Ort verlassen. Hat sich die Lage seither so dramatisch verschlechtert oder war ich wirklich blind? Es ist sicher möglich, sich an einem Ort wohlzufühlen und die allgemeine Meinung nicht mitzubekommen, wenn man sich in kleinen erlesenen Nischen bewegt. Ein Teil von mir fragt sich bang, ob unter den Krawall-Rechten und ihren Zuschauern Leute waren, die mit mir zur Schule gegangen sind oder meine Nachbarn waren, ein anderer Teil will sich zu glauben weigern, dass die Szenen vor der Flüchtlingsunterkunft tatsächlich von Heidenauern initiiert worden sind. Ich werde mit dieser Zerissenheit und auch mit dem Bild leben müssen, dass die Menschen in Heidenau nicht so gemütlich sind, wie ich es in Erinnerung habe.
Und meine Taktik, wenn ich mich vorstelle, hat sich geändert. Bewusst sage ich jetzt "Ich komme aus Heidenau". Mehr als je zuvor fühle ich mich jetzt als Heidenauerin. Ich stehe mit am Pranger, ich bete, bange und fühle mit. Ich hoffe, dass die aktuelle Situation auch zu vielen guten Reaktionen ermutigt. Mehr kann ich jetzt nicht sagen. Mir geht das alles noch viel zu nah.

Samstag, 13. Juni 2015

Beichte?

Ein paar Jugendliche haben sich zu verschiedenen Themen Gedanken gemacht und kleine Videoclips gedreht, um auf das Jugendforum in Altötting aufmerksam zu machen. Doch eigentlich wird kaum vom Jugendforum gesprochen, dafür aber von vielen anderen spannenden Themen. Hier zum Beispiel geht es um das Thema Beichte:


Donnerstag, 11. Juni 2015

Bischöfliche Abschiedsworte

Der Bischof meiner Heimatdiözese wurde nach nur zwei Jahren nach Berlin berufen. Auch wenn ich nicht mehr dort lebe, ja selbst der letzte Rest meines Familie dort weggezogen ist, habe ich die Situation immer mit Interesse verfolgt und war dankbar für die Art und Weise, wie Bischof Koch sich seiner neuen Diözese angenommen hat. Insofern macht mich diese Ernennung nicht glücklich, muss sie auch nicht. Hier spricht er selber darüber, wie es ihm mit der ganzen Situation so ergangen ist.
Nun geht es wieder darum, um einen guten neuen Hirten für Dresden-Meißen zu bitten.

Sonntag, 10. Mai 2015

Molokai - der Film

Jetzt möcht ich schon auch noch gern den Film über P. Damian präsentieren, den ich leider nicht auf Deutsch finden kann, aber der doch sehr eindrücklich ist:


Aloha - Gedenktag P. Damians!

Heut ist nun wirklich der Gedenktag P. Damian de Veusters, der interessanterweise nicht auf seinen Todestag fällt, sondern auf den Tag seiner Ankunft in der Lepra-Kolonie. Die Kirche wertet seinen Dienstbeginn dort offenbar schon als den Moment, in dem er im Haus des Vaters angekommen ist.
Ich lass ihn einfach wieder selbst zu Wort kommen - diesmal über die Umstände, wie er dahin gekommen ist und seine ersten Eindrücke dort. Darüber schreibt er zum einen in einem Brief an einen Mitbruder im August (3 Monate nach der Ankunft), zum anderen in einem Brief (25. November) an seinen leiblichen Bruder Pamphilius, der wie er Ordensmann und Missionar war.

Die Umstände:
Die Regierung sah sich gezwungen, die Erkrankten von der Gesellschaft auszuschließen - in einem entfernten Winkel der Molokai-Insel, der von den hohen, unüberwindbaren Bergen auf der einen Seite und vom Meer auf der anderen eingeschlossen ist. … Mehr als 2.000 wurden schon hierher verbannt, 800 davon leben noch. … Dieser Ort hatte wirklich einen Priester nötig, aber es war nicht leicht. Jede Kommunikation war verboten, wenn man sich nicht mit ihnen einschließen lassen wollte.

Die Entscheidung:
Als ich Kohala verließ, um zur Einweihung der schönen Kirche von P. Leonor zu gehen, hörte ich im Moment, als ich das Pferd bestieg, eine innere Stimme, die mir sagte, dass ich meine lieben Christen und meine schönen vier Kirchen nie mehr wiedersehen würde. Weinend warf ich einen letzten Blick auf meine liebe Gemeinde von Kohala. Während des schönen Festes von Vailulu … erzählte uns der Bischof von seinem Wunsch, das jemand von uns Molokai besuche. Ich erlebe es als Fügung der göttlichen Vorsehung. Am folgenden Samstag, bin ich anstatt nach Kohala zurückzukehren, vom Schiff in der Lepra-Kolonie abgesetzt worden. Der Bischof begleitete mich, doch nach seinem Wunsch sollte ich nur zwei oder drei Wochen bleiben.

Nachdem ich schon am Tag meiner Profess unter dem Leichentuch gelegen hatte, hielt ich es für meine Pflicht, mich dem Bischof anzubieten, der – wie er sagte – nicht die Grausamkeit hatte, uns ein solches Opfer zu befehlen. Und so hat mich der Dampfer am 10. Mai hier zusammen mit ca. 50 anderen Lepra-Kranken abgesetzt, die die Polizisten von ganz Hawaii zusammen getrieben hatten.

Die ersten Eindrücke:
Ich hab hier eine hübsche kleine Kapelle vorgefunden, die der Hl. Philomena geweiht ist. Doch das ist schon alles: kein Haus, in das ich einziehen konnte. Ich lebte lange unter einem Baum, weil ich nicht in den Unterkünften der Lepra-Kranken leben wollte. … Ich habe mich noch nicht angesteckt und mit der wunderbaren Hilfe des guten Gottes und der Heiligen Jungfrau werde ich die Lepra nie bekommen, so hoffe ich. Dennoch mache ich mich den Leprösen gleich, denn wenn ich predige, beginne ich mit den Worten „wir anderen Lepra-Kranken“.

Die Herausforderungen der Krankheit:
Die Zehen und Finger werden quasi weggefressen und die Wunden strömen einen Fäulnis-Geruch aus … Es fällt mir sehr schwer, mich daran zu gewöhnen. Eines Tages war ich während des Hochamtes an dem Punkt, an dem ich den Altar verlassen musste, um ein wenig frische Luft zu atmen. Die Erinnerung an unseren Herrn, der das Grab des Lazarus öffnen ließ, brachte mich zurück. Inzwischen hat sich mein feines Näschen daran gewöhnt. Ich trete ohne Schwierigkeiten in die Häuser ein. Doch manchmal, wenn ich die Beichte abnehme und die Wunden von Maden wimmeln wie an Leichen im Grab, muss ich mir die Nase zuhalten. Ich weiß gar nicht, wohin ich die Letzte Ölung geben soll.

Ich freue mich, dass wir am heutigen Tag unser Musical über P. Damian aufführen - in Euskirchen. Eigentlich hätte ich bei dieser Tournee nicht dabei sein sollen, aber eine glückliche Fügung hat es ermöglicht.

Mittwoch, 6. Mai 2015

Leipzigs Kirchen

Die alte Propsteikirche
In wenigen Tagen wird in meiner Heimatdiözese ein großer Kirchenneubau eingeweiht. Leipzig bekommt eine katholische Kirche - mitten in der Innenstadt - nach 70 Jahren wieder. Das ist ein großer Grund zur Freude. Froh macht mich auch zu wissen, dass viele Menschen in Ost und West diesen Kirchenneubau unterstützt haben. Dieses Bauprojekt ist kein Luxus, eher eine Selbstverständlichkeit.

Und doch irgendwie auch wieder nicht. Der Neubau der Kirche hat ja seine Gründe. Die ursprüngliche Kirche wurde 1943 im Krieg zerstört. 

Zuflucht fanden die Leipziger Innen-Stadt-Katholiken in der Leipziger Universitätskirche, einem sehr schönen gotischen Hallenbau aus dem Jahr 1240. Im Zuge der Reformation war die ehemalige Dominikanerkirche der Universität übergeben worden und damit in die öffentliche Hand geraten. Sie überstand die Bombardierungen. Nach dem Krieg diente sie der evangelischen Fakultät als Ausbildungsort für ihre Prediger, der Musikhochschule als Ausbildungsort für die Orgelspieler, sie war Heimat der Studentengemeinde und auch die heimatlosen Katholiken der Propstei-Pfarrei nutzten die Kirche für ihre Gottesdienste.

Doch dann wurde die Sprengung der Kirche entschieden. Ein so sakraler Bau war mitten in der Innenstadt nicht mehr gewünscht. Und da das Gebäude offiziell dem Staat gehörte, war es rechtlich auch möglich. Sehr kurzfristig wurden die Katholiken von den Plänen in Kenntnis gesetzt (knapp zwei Wochen vorher.) Ich habe den Priester kennen gelernt, der den letzten katholischen Gottesdienst dort am Abend von Christi Himmelfahrt gehalten hat. Er konnte die bevorstehende Untat nicht offen ansprechen, setzte aber alles daran, der Messe so viel Glanz wie möglich zu verleihen. Kaum war der Gottesdienst zu Ende, wurden die Gläubigen hinaus befördert. Fassungslos sahen die Leipziger, wie in den nächsten Tagen Bohrlöcher für die Sprengsätze gesetzt wurden. Am 30. Mai 1968 fiel das Gebäude dem Kommunismus zum Opfer.


Für die Leipziger Innenstadt-Katholiken dauerte es dann immer noch mehr als ein Jahrzehnt, bis sie endlich 1982 eine eigene Kirche bauen und einweihen durften - weitab der Innenstadt und fr mein Empfinden nicht gerade ein Kleinod sakraler Baukunst, zumal schlechter Baugrund dafür sorgte, dass die Kirche nach etwas mehr als 30 Jahren Nutzung eigentlich nicht mehr hält.

Die Einweihung einer neuen katholischen Kirche in der Innenstadt hat nach dieser Geschichte für mich eine Bedeutung, die weit darüber hinaus reicht, dass die Katholiken wieder ein standfestes Gebäude haben. So wie ich es beim Wiederaufbau der Dresdner Frauenkirche empfunden habe, hat auch dieser Neubau für mich einen starken symbolischen Charakter. Er manifestiert das Ende einer atheistischen Ideologie und Regierung und zeigt sehr deutlich auf, dass das Pflänzchen der Kirche nicht so schnell unterzukriegen ist. Deo gratias!
Hier kann man in Bildenr und Videos mehr über den Neubau erfahren: klick

Mehr als eine kleine Randnotiz ist jedoch leider auch die Beobachtung, dass das Ereignis der Stadt Leipzig keine Erwähnung wert ist. Ein Klick auf  die städtische website offenbart zahlreiche mehr oder weniger wichtige Veranstaltungen in den nächsten Tagen. Einen Hinweis auf die Einweihung der Propsteikirche sucht man jedoch vergebens. Beschämend.

Die kleinen Schwestern von Bethlehem

Es ist nicht meine Berufung, aber zweifellos eine ganz besondere. Und ich bin dankbar um solche Orte, an denen man dank des Gebets dieser Schwestern Gott und den Frieden finden kann. Kürzlich kam eine schöne Reportage dazu auf arte, die ich hier gern empfehlen möchte. (Die Langsamkeit der Bilder erinnert mich dabei auch stark an den bemerkenswerten Film "Die große Stille.")


Dienstag, 5. Mai 2015

Geweihtes Leben in Ljubljana

Einen netten Flashmob haben verschiedene Orden und Gemeinschaften in Ljubljana auf die Beine gestellt. Mich freut es nicht zuletzt deshalb, weil das gewählte Lied von meiner Gemeinschaft kommt.


Sonntag, 26. April 2015

P. Damians Briefe III - Ein Hirt, der sein Leben hingab

Ein Mitbruder, der die letzten Tage von P. Damian miterlebt hat, schreibt:
Er starb ganz einfach, als würde er nur einschlafen. Er hat sich ganz leise auf den Weg gemacht, nachdem er fast 16 Jahre inmitten des Horrors der Lepra gelebt hat. Der gute Hirte hat sein Leben für seine Schafe hingegeben.
In der Fortsetzung der Übersetzung seiner ersten Briefe von Molokai erklärt sich von selbst, wie er sein Hirtenamt verstanden und gelebt hat:

 
Brief an P. Modeste

Kalawao, Molokai, 27 Mai 1873

Mein hochwürdiger Vater,

ich habe die verschiedenen Sachen erhalten, die Sie mir gütigerweise haben zukommen lassen. (Es folgt eine ausführliche Bitte um Baumaterial.) Ich werden morgen mit der Arbeit beginnen und ich hoffe, dass ich in einer Woche wieder den verstreuten Schafen von Molokai nachlaufen kann. Am Freitag war ich in Pelekunu, wo ich einen kleinen Kern guter Christen gefunden haben, von denen mehrere seit mehr als zehn Jahren keinen Priester mehr gesehen haben. Ich habe habe hier schon zehn Taufen gehabt und 15 weitere an Christi Himmelfahrt, fünf weitere von Sterbenden. Das macht zusammen 30. Die Glocke klingt sehr schön. All dies, damit die Kranken sie hören können. Mögen sie auch die Stimme des guten Gottes hören, der sie ruft. Ein Schüler von Ahuimanu, Zephirin de Vailuku, liegt im Sterben. Ich habe ihm die letzte Ölung gegeben. Sein Fuß war ganz von Maden zerfressen. Armes Kind! Er leidet viel, aber ich hoffe, dass er direkt in den Himmel kommt. Obwohl ich von Morgen bis Abend von Haus zu Haus laufe, habe ich kaum ein Drittel meiner Kranken besucht. Was halten Sie davon, den Herrn in die Häuser derer zu bringen, die nicht in die Kirche kommen können? Um das allerheiligste Sakrament im Tabernakel aufbewahren zu können, brauche ich Seide für die Innenauskleidung des Tabernakels sowie ein kleines Ziborium, eine Kustodia und eine Bursa. Außerdem brauche ich Altartücher. Vergessen Sie bitte nicht, die Kirche St. Philomena. Sie ist ganz mittellos. Ich brauche Katechismen, Rosenkränze, etc. … Beten Sie für mich. Beten Sie für uns.

Vereint in den Heiligsten Herzen Jesu und Mariä

P. Damian

Donnerstag, 16. April 2015

P. Damians Briefe II

Ich mach einfach mal weiter ... und kommentiere das auch nicht groß. Ich werd nur ein paar Sachen hervorheben.

Brief an P. Modeste

Kalawao, 20. Mai 1873

Mein hochwürdiger Vater,

Ich habe die Glocke, den Wein und den Sack Mehl erhalten. Ihr Brief ist noch nicht angekommen, er ist vermutlich in der Post. Ich habe schon einige gute Neuigkeiten bzgl. der Christen hier. Es gibt genug zu tun, um einen Priester von morgens bis abends zu beschäftigen. Ich habe auf meiner Liste schon die kranken Christen, ca. 20 Katechumenen und 20 gesunde Christen. Die Kirche wird bald zu klein, so hoffe ich. Gestern hatten wir eine feierliche Messe mit schönen Gesängen und zahlreichen Kommunionen. Seit meiner Ankunft höre ich sehr viele Beichten. Ich habe gehört, dass in einem der Täler, einige Meilen von hier, eine große Anzahl an Christen sind. Der Ort nennt sich Pelekuna und ist sehr bevölkert. 300 Kanaken leben dort, so sagt man. Nach Christi Himmelfahrt werde ich dahin gehen, um den Sonntag dort zu sein. Beten Sie für mich, so dass der himmlische Samen gut aufgeht in diesem Land. Bitte teilen Sie mir mit, was Sie mit dem Bischof vereinbart haben, wer der privilegierte Priester ist, der die Ernte des Herrn hier einsammeln darf. Die Ernte ist ganz reif. Es mangelt an Erntearbeitern, doch die Ernte stirbt innerhalb kurzer Zeit.
Ein Sack Reis, Kaffee und eine Mühle wären sehr nützlich, ebenso ein Pferdesattel und Zaumzeug, damit ich nicht die Sättel der leprösen Kanaken benutzen muss. Bitte senden Sie mir auch ein Brevier. Wenn Sie viele Messintentionen haben, dann senden Sie mir ein paar. Wenn Sie nicht zu überlastet sind, lassen Sie mir auch ein paar freie Intentionen für meine armen Unglücklichen. So viele Sterbende!! Was für ein Elend!!
Bitte sagen Sie dem Superior, dass ich die ganze Gemeinschaft um das besondere Gebet für die Bekehrung der armen Lepra-Kranken und aller auf der Insel Molokai bitte. Möge die Heilige Jungfrau uns alle in die Arme ihres göttlichen Sohnes ziehen. Aller Widerwille gegen die Leprösen ist verschwunden. Dennoch sehe ich mich sehr vor.

Einen Rasierer, bitte.

Totus tuus

P. Damian

Mittwoch, 15. April 2015

P. Damians Briefe I

Heute vor 126 starb P. Damian de Veuster. Es war der Montag der Karwoche. Interessanterweise ist dieser Tag nicht sein Gedenktag. Liturgisch gedenkt die Kirche seiner am 10. Mai, dem Tag, an dem er nach Molokai kam, um dort mit den Lepra-Kranken zu leben. 
Wie ich bereits an anderer Stelle erwähnte, bin ich ihm sehr verbunden und habe auch das Skript für das aktuelle ESM-Musical über ihn geschrieben. Im Rahmen meiner vertiefenden Recherche bin ich auf eine wahre Fundgrube gestoßen - auf die Sammlung sämtlicher Briefe von ihm (angefangen von den ersten kurzen Grüßen an die Eltern aus dem Internat). Diese Briefe haben mir nochmals einen starken Zugang zu ihm verschafft. Ich durfte einen Heiligen entdecken, der nicht nur sein Leben hingegeben hat, sondern der sich zutiefst in Christus verankert hat. Leider sind die veröffentlichten Briefe alle auf Französisch. So möchte ich nun hin und wieder ein paar Übersetzungen hier veröffentlichen, weil es sich aus meiner Sicht absolut lohnt. Als erstes der erste Brief nach seiner Ankunft auf Molokai. Er ist kurz genug, daher geb ich ihn ungekürzt wieder.
Der Brief zeigt, dass es zu Beginn noch nicht fest stand, dass P. Damian sein Leben lang dort bleibt. Ursprünglich hatte der Bischof die Idee, in einer Art Rotationssystem mehrere Priester im Laufe eines Jahres hinzusenden. Durch die Rotation sollte ein zu enger Kontakt vermieden werden und somit die Ansteckungsgefahr für den Einzelnen minimiert werden. Schon zwei Tage nach seiner Ankunft sieht er die Notwendigkeit, einen Priester dort zu haben, der bleibt. Doch noch geht er davon aus, dass er zurück in seine Pfarrei nach Kohala geht. Am Ende wird schon seine Bereitschaft sichtbar, selber zu bleiben.

Brief an P. Modeste

Kalawao, Molokai, 12. Mai 1873

Mein hochwürdiger Vater,

Ich sende Ihnen diese Zeilen mit dem Schoner Waniki zu, um Ihnen mitzuteilen, dass man für diese Pfarrstelle einen Priester braucht, der bleibt. Die Kranken kommen in überfüllten Schiffen hier an, so dass es Sterbende gibt. Ich lebe unter einem PUUH LA (d.h. einem Pandanus-Baum) und warte auf Holz, um ein Haus bauen zu können, so wie Sie es für angeraten halten. Bitte schicken Sie mir eine Kiste Wein, ein paar Andachtsbücher und Fachbücher, einige Hemden, Hosen, Schuhe, die Glocke, Rosenkränze, Katechismen, große und kleine Hostien, einen Sack Mehl und einen abschließbaren Koffer. Bitte schreiben Sie P. Gulstan, dass er sich um Kohala kümmern soll, bis ich zurück kehre. Es sei denn, Sie finden einen der Patres von Kona, der sich dauerhaft um die Pfarrei kümmern kann. Sie kennen meine Bereitschaft, ich möchte mich den armen Lepra-Kranken hingeben. Die Ernte hier scheint reif zu sein. Beten Sie für mich und für uns alle.

Sonntag, 8. März 2015

Ostwindmission

Mein missionarisches Herz schlägt  besonders für die Region, aus der ich komme - die katholische Diapsora des Ostens. Dass P. Paulus Tautz von den Franciscan Friars of the Renewal diese Sehnsucht teilt und in die Tat umsetzt, ist für mich eine große Freude. Unter dem Namen "Ostwindmission" ist da eine kleine, schöne Initiative entstanden.

Ein kleines Video vermittelt ein paar Stimmungsbilder.



Auf der Homepage sind ein paar Infos (darunter auch Pressematerial) dazu zusammengestellt: klick

Samstag, 7. März 2015

P. Damian und ich

Vor ziemlich genau sieben Monaten wurde ich Musicalskript-Autorin. Das war so nicht geplant. Und ich hab auch lang gezögert, das irgendwo zu veröffentlichen. Aber nun wird dieses Musical in einer Woche zum ersten Mal aufgeführt, die Pressemappe und Programmhefte mit meinem Namen drin sind schon da bzw. in Produktion. Und irgendwie ist die Geschichte der Entstehung so besonders, dass ich sie nicht vorenthalten will. Denn ich persönlich bin fest davon überzeugt, dass das nicht mein "Werk" war.

Vorgeschichte
P. Damian de Veuster hat mich schon vor langer Zeit fasziniert. Vor ca. 25 Jahren - lange vor seiner Seligsprechung - las ich zum ersten Mal eine Kurzgeschichte über ihn. Und sogleich war ich tief beeindruckt. Dass da jemand - so ganz ohne zurückzuschauen - seine Heimat verlässt und dann sogar eine Mission übernimmt, die gefährlich ist, jedoch nicht sehr abenteuerlich, das fand ich schon ziemlich stark. Gern hätte ich ihn mir als Firmpatron ausgesucht. Aber er war ja noch nicht mal selig gesprochen. Da ging das wohl nicht.
Ich hab es nicht weiter verfolgt, wie es mit seinem Selig- und Heiligsprechungsverfahren weiter ging. Doch als ich im September 2009 für ein Jahr nach Belgien ging, plumpste ich mitten hinein in die Vorfreude der belgischen Katholiken über ihren neuen Heiligen. Ich war dann auch bei der Dankesmesse in der Basilika Koekelberg. Und ich fuhr mehrfach nach Leuven ans Grab des neuen Heiligen. Dort hatten seine Mitbrüder eine kleine Ausstellung mit Fotos und Auszügen aus seinen Briefen. Und gerade diese Auszüge beeindruckten mich sehr. Ich entdeckte hinter dem Mann mit dem großen Herzen und den zupackenden Händen auch einen zutiefst geistlichen Mann. Einen Mann, der unter seiner geistlichen Isolation gelitten hat ... einen Mann, der sich zutiefst in Christus verankert hat und dem gerade die eucharistische Gegenwart ein echter Anker in allen Stürmen war.

Wie ein Musical-Skript entsteht.
Im September 2014 hab ich eine Woche Urlaub in Assisi gemacht. Direkt im Anschluss an diesen Urlaub würde ich wieder meine Arbeit für die ESM Altötting aufnehmen, zu der wie in den Vorjahren auch die Begleitung des Musical-Projektes gehören würde. Ich wusste, dass unser bisheriger Musicalskript-Autor kein Skript mehr liefern würde. Ich wusste, dass wir keine richtige Idee hatten, wie wir damit umgehen würden. Ich hatte irgendwo im Hinterkopf vom bisherigen Autoren den Satz im Ohr "Du kannst das doch auch", den ich eher belächelt hatte. Ich war im Urlaub - und hatte auch vor, mich zu erholen. Kein Computer dabei, das Handy nur selten bei mir. Ich entspannte mich und dachte kaum an die Arbeit.
Eines Abends kam ich mit meiner Tischnachbarin auf das Thema "Lieblingsheilige" zu sprechen. Voller Begeisterung erzählte ich von P. Damian. Dabei erzählte ich auch, dass Mutter Teresa ihn sehr geschätzt hatte und sich sehr um seine Heiligsprechung bemüht hat (wie man in einem sehr amüsant zu lesenden Bericht von P. Leo Maasburg in seinem Buch über Mutter Teresa nachlesen kann.)
Zwei Tage später ging ich wie immer in die Messe und hörte aus der Einführung des Priesters heraus, dass dies der Gedenktag von Mutter Teresa war, der 5. September. In diesem Moment keimte die Idee in meinem Hirn auf, dass ich doch ein Musical über P. Damian schreiben könnte. Ich war total entzündet von dieser Idee.
Zusammen mit meinen Freundinnen pilgerten wir wie vereinbart nach S. Damiano, dann ging es hinauf zu den Carceri. Die Idee pulsierte immer noch in meinem Hirn und Herzen. In dem Waldgebiet der Carceri zog ich mich für eine Stunde zurück und sammelte Ideen: Was für Themen bieten sich denn an? Welche Momente seines Lebens waren Schlüsselmomente? Was könnte eine Struktur sein?
Auf der Mauer rechts sitzend schrieb ich die ersten Zeilen nieder.
Am Nachmittag hatte ich Zeit für mich. Voller Unruhe durchstreifte ich Assisi. Ich hatte keinen Computer mit und auch keinen Schreibblock. Aber ich wusste, dass ich nur jetzt die Zeit hatte, damit loszulegen. Und irgendwie fand ich es auch sehr passend und reizvoll, es am Gedenktag von Mutter Teresa anzugehen. Also suchte ich fieberhaft nach einem Laden, der Schreibblöcke im Sortiment hat. Es war gewissermaßen auch meine Bedingung an Gott: "Herr, wenn es von dir ist und du willst, dass ich das mache, dann gib mir auch die Mittel dazu." In einer touristisch so heimgesuchten Stadt wie Assisi ist der Kauf eines so simplen Produktes kein leichtes Unterfangen. Bis dahin hatte ich den Eindruck, dass es dort ausschließlich Pilger- oder Touristenartikel gab. Doch ich wurde - nach Durchwandern der ganzen Stadt - schließlich fündig. Und auf der Mauer, die den Platz vor Santa Chiara begrenzt, sitzend schrieb ich mit fliegender Feder die ersten Zeilen. ... Im Quartier ging es weiter. Bis zum Schlafengehen hatte ich alle wichtigen Szenen (20 Seiten handschriftlich) niedergepinselt. 
Zurück in Deutschland hat mein Team die Idee positiv aufgenommen. Und dann hab ich nochmal recherchiert und bin auf einer Seite auf eine Fundgrube gestoßen - auf die Sammlung sämtlicher Briefe von ihm (auf Französisch). Einige Gedanken und Zitate daraus hab ich noch untergemischt, einige Namen recherchiert, schließlich die Niederschriften in die richtige Reihenfolge gebracht ... und das war's.
Wenn ich an diesen 5. September 2014 zurück denke, dann hab ich vor meinem inneren Auge das Bild, wie sich P. Damian, Mutter Teresa, Franziskus und der Heilige Geist an dem Tag zusammen gesetzt haben und mir eine Inspiration geschenkt haben.

Wie es weiter ging
So ein Musical lebt. Es ist nicht ein fertiges Projekt, das es nur stur umzusetzen gilt. Die Regisseurin, die Liedtexter, nicht zuletzt die Schauspieler, bringen ihre je eigenen Nuancen mit hinein. Ich hab das Entstehen dieses Musicals mit begleitet. Und ich kann bezeugen, dass der Heilige Geist kräftig weiter wirkt. Im Losgehen hab ich erkannt, dass zwischen meinen Zeilen Dinge stecken, an die ich beim Schreiben überhaupt nicht gedacht habe. Es klingt verrückt, aber es ist so. Ich hab Dialoge geschrieben ... und erst im Nachhinein gesehen, was wirklich drin steckt. Und dann hat mich der Hauptdarsteller mit seiner Interpretation noch mal in eine weitere Tiefe hinein geführt. Allein diese Momente zeigen mir, dass es nicht mein Werk ist, sondern dass da Gott dahinter steckt. Um Ihm die Ehre zu geben, erzähle ich das alles.
Auch mein Verhältnis zu P. Damian hat sich nochmal verändert. Er war mir gerade in den Tagen des Abtippens und des Realisierens, was da entstanden ist, sehr nahe ... und ich hoffe, dass er seine Freude an dem Ergebnis hat. Ich hab nicht nur Sachen geschrieben, die in seinen Briefen standen. Ich hab mit großer Freiheit Figuren und Geschichten erschaffen, die exemplarisch für viele andere stehen. Und ich hab auch versucht, mich in P. Damians Gefühle, Motive, Kämpfe und Ängste hinein zu versetzen. Ich hoffe, dass ich ihm gerecht geworden bin.

Ansteckendes Musical

Heute in einer Woche ist sie schon Geschichte - die Premiere des neuen ESM-Musicals. Unter dem provozierenden Titel "Molokai. Lass dich anstecken." thematisiert das neue Musical-Projekt das Leben P. Damian de Veusters unter den Lepra-Kranken auf Hawaii. Am Samstag, dem 14. März, öffnet sich um 15 Uhr im Altöttinger Kultur- und Kongressforum zum ersten Mal der Vorhang für meine Studenten. Zehn Tage später schon geht es auf die erste Tournee.
Gestern hatten wir die erste Durchlaufprobe ... und ich bin zuversichtlich, dass es gut wird. Die ESM-Studenten haben sich wirklich "reingehängt", um Texte zu lernen, Choreografien einzustudieren, Requisiten herzustellen usw.
Hier kann man ein wenig nachlesen, worum es so geht.
In einem nachfolgenden Post werd ich noch ein wenig Hintergründiges über die Entstehung des Musicals schreiben, an dem ich diesmal nicht ganz unbeteiligt war.

Sonntag, 22. Februar 2015

katholisches Paradox

Die katholische Liturgie bietet doch immer wieder Impulse zum innehalten. Ich wär nie auf den Gedanken gekommen, die heilgen vierzig Tage als eine Bußzeit zu feiern. Aber genau das legt uns das Tagesgebet des heutigen Sonntags nahe.
Allmächtiger Gott,
du schenkst uns die heiligen vierzig Tage
als eine Zeit der Umkehr und der Buße.
Gib uns durch ihre Feier die Gnade,
dass wir in der Erkenntnis Jesu Christi voranschreiten
und die Kraft seiner Erlösungstat
durch ein Leben aus dem Glauben sichtbar machen.
Darum bitten wir durch ihn,
der in der Einheit des Heiligen Geistes
mit dir lebt und herrscht in alle Ewigkeit.
Eine solche Formulierung löscht alle Kopfkinos, die beim Gedanken an Buße Reihen griesgrämig dreinblickender, sich selbst kasteiender und in Sack und Asche Reue zeigender Christen vorführen. Wir dürfen feiern ... wir feiern, dass Gott uns einlädt, in seiner Nähe zu sein, uns neu zu ihm hinzukehren. Das ist kein Grund zum Traurigsein, sondern einer zur Freude. Denn es ist schön zu wissen, dass da einer ist, der mich bei sich haben will. 

Montag, 12. Januar 2015

Vom Weg ins Kloster


Einen kleinen schönen Einblick vom Weg ins und Leben im Kloster gibt der Film "Berufswunsch: Nonne", den die ARD ausgestrahlt hat und denn man in der Videothek noch ein Jahr lang anschauen kann. Mich berührt er besonders, weil es die junge Frau, um die es hier geht, in das Kloster eintritt, das auch einst bei mir dazu beigetragen hat, das geweihte Leben interessant zu finden.
Anschauen kann man den Film hier: klick