Sonntag, 8. März 2015

Ostwindmission

Mein missionarisches Herz schlägt  besonders für die Region, aus der ich komme - die katholische Diapsora des Ostens. Dass P. Paulus Tautz von den Franciscan Friars of the Renewal diese Sehnsucht teilt und in die Tat umsetzt, ist für mich eine große Freude. Unter dem Namen "Ostwindmission" ist da eine kleine, schöne Initiative entstanden.

Ein kleines Video vermittelt ein paar Stimmungsbilder.



Auf der Homepage sind ein paar Infos (darunter auch Pressematerial) dazu zusammengestellt: klick

Samstag, 7. März 2015

P. Damian und ich

Vor ziemlich genau sieben Monaten wurde ich Musicalskript-Autorin. Das war so nicht geplant. Und ich hab auch lang gezögert, das irgendwo zu veröffentlichen. Aber nun wird dieses Musical in einer Woche zum ersten Mal aufgeführt, die Pressemappe und Programmhefte mit meinem Namen drin sind schon da bzw. in Produktion. Und irgendwie ist die Geschichte der Entstehung so besonders, dass ich sie nicht vorenthalten will. Denn ich persönlich bin fest davon überzeugt, dass das nicht mein "Werk" war.

Vorgeschichte
P. Damian de Veuster hat mich schon vor langer Zeit fasziniert. Vor ca. 25 Jahren - lange vor seiner Seligsprechung - las ich zum ersten Mal eine Kurzgeschichte über ihn. Und sogleich war ich tief beeindruckt. Dass da jemand - so ganz ohne zurückzuschauen - seine Heimat verlässt und dann sogar eine Mission übernimmt, die gefährlich ist, jedoch nicht sehr abenteuerlich, das fand ich schon ziemlich stark. Gern hätte ich ihn mir als Firmpatron ausgesucht. Aber er war ja noch nicht mal selig gesprochen. Da ging das wohl nicht.
Ich hab es nicht weiter verfolgt, wie es mit seinem Selig- und Heiligsprechungsverfahren weiter ging. Doch als ich im September 2009 für ein Jahr nach Belgien ging, plumpste ich mitten hinein in die Vorfreude der belgischen Katholiken über ihren neuen Heiligen. Ich war dann auch bei der Dankesmesse in der Basilika Koekelberg. Und ich fuhr mehrfach nach Leuven ans Grab des neuen Heiligen. Dort hatten seine Mitbrüder eine kleine Ausstellung mit Fotos und Auszügen aus seinen Briefen. Und gerade diese Auszüge beeindruckten mich sehr. Ich entdeckte hinter dem Mann mit dem großen Herzen und den zupackenden Händen auch einen zutiefst geistlichen Mann. Einen Mann, der unter seiner geistlichen Isolation gelitten hat ... einen Mann, der sich zutiefst in Christus verankert hat und dem gerade die eucharistische Gegenwart ein echter Anker in allen Stürmen war.

Wie ein Musical-Skript entsteht.
Im September 2014 hab ich eine Woche Urlaub in Assisi gemacht. Direkt im Anschluss an diesen Urlaub würde ich wieder meine Arbeit für die ESM Altötting aufnehmen, zu der wie in den Vorjahren auch die Begleitung des Musical-Projektes gehören würde. Ich wusste, dass unser bisheriger Musicalskript-Autor kein Skript mehr liefern würde. Ich wusste, dass wir keine richtige Idee hatten, wie wir damit umgehen würden. Ich hatte irgendwo im Hinterkopf vom bisherigen Autoren den Satz im Ohr "Du kannst das doch auch", den ich eher belächelt hatte. Ich war im Urlaub - und hatte auch vor, mich zu erholen. Kein Computer dabei, das Handy nur selten bei mir. Ich entspannte mich und dachte kaum an die Arbeit.
Eines Abends kam ich mit meiner Tischnachbarin auf das Thema "Lieblingsheilige" zu sprechen. Voller Begeisterung erzählte ich von P. Damian. Dabei erzählte ich auch, dass Mutter Teresa ihn sehr geschätzt hatte und sich sehr um seine Heiligsprechung bemüht hat (wie man in einem sehr amüsant zu lesenden Bericht von P. Leo Maasburg in seinem Buch über Mutter Teresa nachlesen kann.)
Zwei Tage später ging ich wie immer in die Messe und hörte aus der Einführung des Priesters heraus, dass dies der Gedenktag von Mutter Teresa war, der 5. September. In diesem Moment keimte die Idee in meinem Hirn auf, dass ich doch ein Musical über P. Damian schreiben könnte. Ich war total entzündet von dieser Idee.
Zusammen mit meinen Freundinnen pilgerten wir wie vereinbart nach S. Damiano, dann ging es hinauf zu den Carceri. Die Idee pulsierte immer noch in meinem Hirn und Herzen. In dem Waldgebiet der Carceri zog ich mich für eine Stunde zurück und sammelte Ideen: Was für Themen bieten sich denn an? Welche Momente seines Lebens waren Schlüsselmomente? Was könnte eine Struktur sein?
Auf der Mauer rechts sitzend schrieb ich die ersten Zeilen nieder.
Am Nachmittag hatte ich Zeit für mich. Voller Unruhe durchstreifte ich Assisi. Ich hatte keinen Computer mit und auch keinen Schreibblock. Aber ich wusste, dass ich nur jetzt die Zeit hatte, damit loszulegen. Und irgendwie fand ich es auch sehr passend und reizvoll, es am Gedenktag von Mutter Teresa anzugehen. Also suchte ich fieberhaft nach einem Laden, der Schreibblöcke im Sortiment hat. Es war gewissermaßen auch meine Bedingung an Gott: "Herr, wenn es von dir ist und du willst, dass ich das mache, dann gib mir auch die Mittel dazu." In einer touristisch so heimgesuchten Stadt wie Assisi ist der Kauf eines so simplen Produktes kein leichtes Unterfangen. Bis dahin hatte ich den Eindruck, dass es dort ausschließlich Pilger- oder Touristenartikel gab. Doch ich wurde - nach Durchwandern der ganzen Stadt - schließlich fündig. Und auf der Mauer, die den Platz vor Santa Chiara begrenzt, sitzend schrieb ich mit fliegender Feder die ersten Zeilen. ... Im Quartier ging es weiter. Bis zum Schlafengehen hatte ich alle wichtigen Szenen (20 Seiten handschriftlich) niedergepinselt. 
Zurück in Deutschland hat mein Team die Idee positiv aufgenommen. Und dann hab ich nochmal recherchiert und bin auf einer Seite auf eine Fundgrube gestoßen - auf die Sammlung sämtlicher Briefe von ihm (auf Französisch). Einige Gedanken und Zitate daraus hab ich noch untergemischt, einige Namen recherchiert, schließlich die Niederschriften in die richtige Reihenfolge gebracht ... und das war's.
Wenn ich an diesen 5. September 2014 zurück denke, dann hab ich vor meinem inneren Auge das Bild, wie sich P. Damian, Mutter Teresa, Franziskus und der Heilige Geist an dem Tag zusammen gesetzt haben und mir eine Inspiration geschenkt haben.

Wie es weiter ging
So ein Musical lebt. Es ist nicht ein fertiges Projekt, das es nur stur umzusetzen gilt. Die Regisseurin, die Liedtexter, nicht zuletzt die Schauspieler, bringen ihre je eigenen Nuancen mit hinein. Ich hab das Entstehen dieses Musicals mit begleitet. Und ich kann bezeugen, dass der Heilige Geist kräftig weiter wirkt. Im Losgehen hab ich erkannt, dass zwischen meinen Zeilen Dinge stecken, an die ich beim Schreiben überhaupt nicht gedacht habe. Es klingt verrückt, aber es ist so. Ich hab Dialoge geschrieben ... und erst im Nachhinein gesehen, was wirklich drin steckt. Und dann hat mich der Hauptdarsteller mit seiner Interpretation noch mal in eine weitere Tiefe hinein geführt. Allein diese Momente zeigen mir, dass es nicht mein Werk ist, sondern dass da Gott dahinter steckt. Um Ihm die Ehre zu geben, erzähle ich das alles.
Auch mein Verhältnis zu P. Damian hat sich nochmal verändert. Er war mir gerade in den Tagen des Abtippens und des Realisierens, was da entstanden ist, sehr nahe ... und ich hoffe, dass er seine Freude an dem Ergebnis hat. Ich hab nicht nur Sachen geschrieben, die in seinen Briefen standen. Ich hab mit großer Freiheit Figuren und Geschichten erschaffen, die exemplarisch für viele andere stehen. Und ich hab auch versucht, mich in P. Damians Gefühle, Motive, Kämpfe und Ängste hinein zu versetzen. Ich hoffe, dass ich ihm gerecht geworden bin.

Ansteckendes Musical

Heute in einer Woche ist sie schon Geschichte - die Premiere des neuen ESM-Musicals. Unter dem provozierenden Titel "Molokai. Lass dich anstecken." thematisiert das neue Musical-Projekt das Leben P. Damian de Veusters unter den Lepra-Kranken auf Hawaii. Am Samstag, dem 14. März, öffnet sich um 15 Uhr im Altöttinger Kultur- und Kongressforum zum ersten Mal der Vorhang für meine Studenten. Zehn Tage später schon geht es auf die erste Tournee.
Gestern hatten wir die erste Durchlaufprobe ... und ich bin zuversichtlich, dass es gut wird. Die ESM-Studenten haben sich wirklich "reingehängt", um Texte zu lernen, Choreografien einzustudieren, Requisiten herzustellen usw.
Hier kann man ein wenig nachlesen, worum es so geht.
In einem nachfolgenden Post werd ich noch ein wenig Hintergründiges über die Entstehung des Musicals schreiben, an dem ich diesmal nicht ganz unbeteiligt war.