Sonntag, 26. April 2015

P. Damians Briefe III - Ein Hirt, der sein Leben hingab

Ein Mitbruder, der die letzten Tage von P. Damian miterlebt hat, schreibt:
Er starb ganz einfach, als würde er nur einschlafen. Er hat sich ganz leise auf den Weg gemacht, nachdem er fast 16 Jahre inmitten des Horrors der Lepra gelebt hat. Der gute Hirte hat sein Leben für seine Schafe hingegeben.
In der Fortsetzung der Übersetzung seiner ersten Briefe von Molokai erklärt sich von selbst, wie er sein Hirtenamt verstanden und gelebt hat:

 
Brief an P. Modeste

Kalawao, Molokai, 27 Mai 1873

Mein hochwürdiger Vater,

ich habe die verschiedenen Sachen erhalten, die Sie mir gütigerweise haben zukommen lassen. (Es folgt eine ausführliche Bitte um Baumaterial.) Ich werden morgen mit der Arbeit beginnen und ich hoffe, dass ich in einer Woche wieder den verstreuten Schafen von Molokai nachlaufen kann. Am Freitag war ich in Pelekunu, wo ich einen kleinen Kern guter Christen gefunden haben, von denen mehrere seit mehr als zehn Jahren keinen Priester mehr gesehen haben. Ich habe habe hier schon zehn Taufen gehabt und 15 weitere an Christi Himmelfahrt, fünf weitere von Sterbenden. Das macht zusammen 30. Die Glocke klingt sehr schön. All dies, damit die Kranken sie hören können. Mögen sie auch die Stimme des guten Gottes hören, der sie ruft. Ein Schüler von Ahuimanu, Zephirin de Vailuku, liegt im Sterben. Ich habe ihm die letzte Ölung gegeben. Sein Fuß war ganz von Maden zerfressen. Armes Kind! Er leidet viel, aber ich hoffe, dass er direkt in den Himmel kommt. Obwohl ich von Morgen bis Abend von Haus zu Haus laufe, habe ich kaum ein Drittel meiner Kranken besucht. Was halten Sie davon, den Herrn in die Häuser derer zu bringen, die nicht in die Kirche kommen können? Um das allerheiligste Sakrament im Tabernakel aufbewahren zu können, brauche ich Seide für die Innenauskleidung des Tabernakels sowie ein kleines Ziborium, eine Kustodia und eine Bursa. Außerdem brauche ich Altartücher. Vergessen Sie bitte nicht, die Kirche St. Philomena. Sie ist ganz mittellos. Ich brauche Katechismen, Rosenkränze, etc. … Beten Sie für mich. Beten Sie für uns.

Vereint in den Heiligsten Herzen Jesu und Mariä

P. Damian

Donnerstag, 16. April 2015

P. Damians Briefe II

Ich mach einfach mal weiter ... und kommentiere das auch nicht groß. Ich werd nur ein paar Sachen hervorheben.

Brief an P. Modeste

Kalawao, 20. Mai 1873

Mein hochwürdiger Vater,

Ich habe die Glocke, den Wein und den Sack Mehl erhalten. Ihr Brief ist noch nicht angekommen, er ist vermutlich in der Post. Ich habe schon einige gute Neuigkeiten bzgl. der Christen hier. Es gibt genug zu tun, um einen Priester von morgens bis abends zu beschäftigen. Ich habe auf meiner Liste schon die kranken Christen, ca. 20 Katechumenen und 20 gesunde Christen. Die Kirche wird bald zu klein, so hoffe ich. Gestern hatten wir eine feierliche Messe mit schönen Gesängen und zahlreichen Kommunionen. Seit meiner Ankunft höre ich sehr viele Beichten. Ich habe gehört, dass in einem der Täler, einige Meilen von hier, eine große Anzahl an Christen sind. Der Ort nennt sich Pelekuna und ist sehr bevölkert. 300 Kanaken leben dort, so sagt man. Nach Christi Himmelfahrt werde ich dahin gehen, um den Sonntag dort zu sein. Beten Sie für mich, so dass der himmlische Samen gut aufgeht in diesem Land. Bitte teilen Sie mir mit, was Sie mit dem Bischof vereinbart haben, wer der privilegierte Priester ist, der die Ernte des Herrn hier einsammeln darf. Die Ernte ist ganz reif. Es mangelt an Erntearbeitern, doch die Ernte stirbt innerhalb kurzer Zeit.
Ein Sack Reis, Kaffee und eine Mühle wären sehr nützlich, ebenso ein Pferdesattel und Zaumzeug, damit ich nicht die Sättel der leprösen Kanaken benutzen muss. Bitte senden Sie mir auch ein Brevier. Wenn Sie viele Messintentionen haben, dann senden Sie mir ein paar. Wenn Sie nicht zu überlastet sind, lassen Sie mir auch ein paar freie Intentionen für meine armen Unglücklichen. So viele Sterbende!! Was für ein Elend!!
Bitte sagen Sie dem Superior, dass ich die ganze Gemeinschaft um das besondere Gebet für die Bekehrung der armen Lepra-Kranken und aller auf der Insel Molokai bitte. Möge die Heilige Jungfrau uns alle in die Arme ihres göttlichen Sohnes ziehen. Aller Widerwille gegen die Leprösen ist verschwunden. Dennoch sehe ich mich sehr vor.

Einen Rasierer, bitte.

Totus tuus

P. Damian

Mittwoch, 15. April 2015

P. Damians Briefe I

Heute vor 126 starb P. Damian de Veuster. Es war der Montag der Karwoche. Interessanterweise ist dieser Tag nicht sein Gedenktag. Liturgisch gedenkt die Kirche seiner am 10. Mai, dem Tag, an dem er nach Molokai kam, um dort mit den Lepra-Kranken zu leben. 
Wie ich bereits an anderer Stelle erwähnte, bin ich ihm sehr verbunden und habe auch das Skript für das aktuelle ESM-Musical über ihn geschrieben. Im Rahmen meiner vertiefenden Recherche bin ich auf eine wahre Fundgrube gestoßen - auf die Sammlung sämtlicher Briefe von ihm (angefangen von den ersten kurzen Grüßen an die Eltern aus dem Internat). Diese Briefe haben mir nochmals einen starken Zugang zu ihm verschafft. Ich durfte einen Heiligen entdecken, der nicht nur sein Leben hingegeben hat, sondern der sich zutiefst in Christus verankert hat. Leider sind die veröffentlichten Briefe alle auf Französisch. So möchte ich nun hin und wieder ein paar Übersetzungen hier veröffentlichen, weil es sich aus meiner Sicht absolut lohnt. Als erstes der erste Brief nach seiner Ankunft auf Molokai. Er ist kurz genug, daher geb ich ihn ungekürzt wieder.
Der Brief zeigt, dass es zu Beginn noch nicht fest stand, dass P. Damian sein Leben lang dort bleibt. Ursprünglich hatte der Bischof die Idee, in einer Art Rotationssystem mehrere Priester im Laufe eines Jahres hinzusenden. Durch die Rotation sollte ein zu enger Kontakt vermieden werden und somit die Ansteckungsgefahr für den Einzelnen minimiert werden. Schon zwei Tage nach seiner Ankunft sieht er die Notwendigkeit, einen Priester dort zu haben, der bleibt. Doch noch geht er davon aus, dass er zurück in seine Pfarrei nach Kohala geht. Am Ende wird schon seine Bereitschaft sichtbar, selber zu bleiben.

Brief an P. Modeste

Kalawao, Molokai, 12. Mai 1873

Mein hochwürdiger Vater,

Ich sende Ihnen diese Zeilen mit dem Schoner Waniki zu, um Ihnen mitzuteilen, dass man für diese Pfarrstelle einen Priester braucht, der bleibt. Die Kranken kommen in überfüllten Schiffen hier an, so dass es Sterbende gibt. Ich lebe unter einem PUUH LA (d.h. einem Pandanus-Baum) und warte auf Holz, um ein Haus bauen zu können, so wie Sie es für angeraten halten. Bitte schicken Sie mir eine Kiste Wein, ein paar Andachtsbücher und Fachbücher, einige Hemden, Hosen, Schuhe, die Glocke, Rosenkränze, Katechismen, große und kleine Hostien, einen Sack Mehl und einen abschließbaren Koffer. Bitte schreiben Sie P. Gulstan, dass er sich um Kohala kümmern soll, bis ich zurück kehre. Es sei denn, Sie finden einen der Patres von Kona, der sich dauerhaft um die Pfarrei kümmern kann. Sie kennen meine Bereitschaft, ich möchte mich den armen Lepra-Kranken hingeben. Die Ernte hier scheint reif zu sein. Beten Sie für mich und für uns alle.