Donnerstag, 12. November 2015

Zehn Jahre


Wann eigentlich feiert man als Gottgeweihte "Jubiläum"? In den Klöstern feiert man meistens die Profess. Und das macht auch Sinn, denn das ist der Moment, in dem man zum ersten Mal alles verspricht, was so dazu gehört. Und dennoch. Ich bin ja der Meinung, dass - im Nachhinein betrachtet - der erste Tag auf diesem Weg der entscheidende ist, denn da fing nun mal alles an. Also darf ich wohl doch heute mein erstes Jubiläum feiern.

Bild von einem Treffen aller im ersten oder ewigen Versprechen Geweihten. Es fehlen einige aus den ferneren Ländern.
In diesem Sinne: 
Heut vor zehn Jahren war ich ziemlich aufgeregt. Es war ein Samstag. Und an diesem Samstag begann mein Weg im Geweihten Leben offiziell. In einer schlichten Art und Weise hatte mein erster Schritt - der in die sog. "Empfangszeit" - gleich zu Beginn der Messe unseres Gemeinschaftstreffens Platz. Es gab kein äußeres Zeichen, keinen Extra-Segen oder sonstwas. Ich hatte nur vor dem Altar stehend formuliert, dass ich jetzt diesen ersten Schritt mache "im Hinblick auf einen Zölibat um des Himmelreiches willen". Von da an wurde ich zu den Treffen für die Geweihten eingeladen und zählte irgendwie dazu, auch wenn es ganz offiziell eine weitere Zeit der Unterscheidung war. (Vorausgegangen war eine einjährige Unterscheidungszeit, an die sich bei mir noch ein Jahr Wartezeit dranhängte, weil ich in meiner Diasporasituation noch gar nicht so viel von der Gemeinschaft Emmanuel kennen gelernt hatte.)

Am liebsten wär ich ja damals so direkt durchgestartet. Zu wissen, dass das ewige Versprechen frühestens zehn Jahre später kommt, hat mich schier verrückt gemacht. Ich war mir doch ganz sicher ... und im Übrigen dacht ich, dass nach meiner Bekehrung alles so leicht weiter flutschen würde, dass da gar nix mehr in die Quere kommt. Naja, das war ein Irrtum, wenn auch ein verständlicher. Die letzten zehn Jahre waren in vielerlei Hinsicht Lehrjahre - und noch einmal mehr seit meinem ersten (zeitlichen) Versprechen. Meine Güte, ich hab gar nicht geahnt, wie tief der Herrgott da in einem gräbt und was man alles in sich entdeckt, das bisher unter glänzender Oberfläche schlummerte. Und doch: Jeder einzelne Tag war kostbar, sehr sogar. Auch und besonders die Tage, an denen ich mich so unendlich weit weg von Gott fühlte, an denen mir meine Unzulänglichkeit so unleugbar vor Augen stand. Aber genau das waren die Momente, in denen mein Ruf zu Gott am ehrlichsten war ... und in denen ich Ihn ganz neu kennen lernen durfte.

Bis zum Ewigen dauert es noch ein bisschen, die Zielgerade dahin ist im Blick. Aber dass ich damit nicht im Ziel bin, ist auch so eine Erkenntnis, die mir immer deutlicher wird. Es wird ein lebenslanger Weg sein ... das Ziel erwartet mit "drüben".